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Geschäfte mit Dünger und Pflanzenschutz

Industrie pocht auf CO2-Grenzausgleich

Die Geschäfte der Industrie mit Dünger und Pflanzenschutz sind 2025 ordentlich gelaufen. Sorgen machen sich die Hersteller um die Pflanzenschutzmittelzulassung und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Düngerproduktion.
von Donat Singler Erschienen am 07.05.2026

Artikelzusammenfassung


Die Zusammenfassung wird von einer KI generiert und kann inhaltliche Fehler enthalten.
Stickstoffdünger aus EU-Produktion schonen das Klima und sichern die Versorgung. Die Ware hat allerdings ihren Preis. © Agrar-Press/Krick

Der deutsche Pflanzenschutzmarkt ist im Geschäftsjahr 2025 nicht weiter geschrumpft, sondern gewachsen. Mit einem Plus von 4,3 Prozent erreichte der Umsatz 1,3 (2024: 1,2) Mrd. Euro. Der Zuwachs ging von den Herbiziden aus, deren Umsatz um 18,6 % auf 606 Mio. Euro zulegte. Der Sondereffekt ergab sich aus vorgezogenen Käufen des Agrarhandels aufgrund rechtlicher Unsicherheiten. Bei den Insektiziden schrumpfte das Geschäft um 7,2 Prozent auf 129 Mio. Euro, bei Fungiziden sank es um 4,9 Prozent auf 451 Mio. Euro, erklärte Michael Wagner, Präsident des Industrieverbands Agrar (IVA) Ende April bei der IVA-Jahrespressekonferenz. Wagner ist im Hauptberuf für die BASF tätig. Im ersten Quartal des laufenden Jahres zeichne sich ein stabiler Trend ab. Der Markt entwickle sich seitwärts.

Heftig kritisierte Wagner das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in der EU. Das Verfahren stamme aus dem Jahr 2006 und sei nach Meinung der Industrie längst überholt. Wagner verglich den Entwicklungsstand der Zulassung mit einem Mobiltelefon aus dem Jahr 2006, das noch Tasten und einen Mini-Bildschirm hatte. Das sei heute undenkbar. Wagner wörtlich: „Eine Regulierung von vorgestern bremst Innovationen von morgen.“ Mit Blick auf die Pflanzenproduktion erklärte er, dass die Präzisionslandwirtschaft einschließlich Digitalisierung zur Entstehungszeit der EU-Zulassungsverordnung noch gar nicht bekannt gewesen sei.

UBA-Veto soll weg

In Deutschland sei Wagner zufolge der Zulassungsstau von Wirkstoffen inzwischen abgebaut. Das erwarte er auch für die EU-Ebene. Ziel müsse es sein, dass Deutschland wieder als Zulassungsstandort (Reporting Member State) von der EU akzeptiert werde. Voraussetzung sei eine einzige Entscheidungsbehörde. Die Veto-Möglichkeit des Umweltbundesamtes (UBA) im Zulassungsprozess müsse abgeschafft werden.

An der aktuellen Zulassung in Deutschland lobte Wagner, dass Pflanzenschutzmittel nicht mehr befristet, sondern nun dauerhaft zugelassen werden. Das gelte für biologische und klassische Mittel. Positiv sei auch, dass durch längere Übergangsfristen für auslaufende Wirkstoffe mehr Planungssicherheit für Hersteller und Anwender geschaffen wurde. Unverständnis äußerte der IVA-Präsident allerdings für die Bewertung von Pflanzenschutzmitteln. Weiterhin gelte der „starre“ Gefahrenansatz statt eines wissenschaftlich basierten Risikoansatzes. Bei der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa, die über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln entscheide, sei nach Wagners Worten das Problem fehlender Wirkstoffe für die Ernährungssicherung noch nicht angekommen.

Düngermarkt

Der Absatz von Düngemitteln hat sich im Wirtschaftsjahr 2024/25 in Deutschland uneinheitlich entwickelt. Der Absatz von Phosphaten blieb mit 0,14 Mio. Tonnen stabil. Dagegen wurden bei Kali mit 0,34 Mio. Tonnen und Stickstoff mit 1,14 Mio. Tonnen größere Mengen abgesetzt als im Jahr zuvor. Bei Stickstoff besteht in Deutschland und in der EU ein Selbstversorgungsgrad von 75 %, berichtete Marco Fleischmann, der stellvertretende IVA-Präsident, der im Hauptberuf für den Düngerhersteller Yara arbeitet. Die restlichen Mengen stammten aus Algerien und Ägypten. Mit beiden Ländern bestünden seinen Worten zufolge stabile Lieferketten. Bei Kali seien Deutschland und die EU Selbstversorger, weil der Bedarf vollständig aus eigener Herstellung gedeckt werde. Der Düngerexperte wertet den Mengenrückgang beim Stickstoff in der Vergangenheit als Folge des zunehmend effizienteren Einsatzes.

Fehlender Harnstoff erhöht die Preise

Auf die Frage, wie sich die Düngerpreise zur anstehenden Einlagerungssaison entwickeln, gab Fleischmann keine konkrete Antwort. Er verwies auf Daten der Agrarzeitung, wonach sich Harnstoff an den Ostseehäfen seit Beginn des Irankriegs von 550 Euro/Tonne auf 750 Euro/Tonne verteuert habe. Dieser Preisanstieg sei immerhin geringer als nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs, sagte der Experte. Die Agrarzeitung nennt für KAS einen Anstieg von 380 Euro auf 460 Euro/Tonne. Von den Harnstofflieferungen am Persischen Golf sei die EU nicht abhängig. Diese Ware fließe ausschließlich nach Asien, Ozeanien, Indien und Amerika. Allerdings stelle der Harnstoff vom Persischen Golf 30 Prozent des Weltmarkts. Weil diese Ware derzeit ausfällt, steigen die Harnstoffpreise.   

Fleischmann legt Wert auf die Feststellung, dass die europäische Düngemittelproduktion heute den geringsten CO2-Fußabdruck hat im weltweiten Vergleich. Im Vergleich zu russischen Düngern sei der Abdruck nur halb so groß. Um dieses Niveau zu erreichen, hätten die Firmen erheblich investiert. Möglichkeiten zur weiteren CO2-Senkung gebe es bereits. Etwa über Inhibitoren, Präzisionslandwirtschaft, grüne und blaue Düngemittel. Allerdings nur, sofern die europäische Düngerindustrie wettbewerbsfähig produzieren könne.

CBAM-Einnahmen an Landwirte?

Dazu sei es wesentlich, dass der EU-Kohlenstoff-Grenzausgleich (CBAM) bestehen bleibe. Denn nur mit einer wettbewerbsfähigen Düngerproduktion lasse sich die hohe Eigenversorgung halten. Die Kritik der Landwirtschaft, dass dies das Betriebsmittel Dünger verteuere, ließ Fleischmann nicht gelten. Er sprach sich dafür aus, die Einnahmen aus dem Kohlenstoffausgleich an die Landwirtschaft auszuschütten, um die höheren Betriebsmittelkosten auszugleichen.

Von der EU-Politik erwartet Fleischmann, dass grüner Strom, grüner Wasserstoff und Biomethan zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitgestellt werden. CO2 sollte dauerhaft und klimaneutral gespeichert werden können. In der GAP sollten klimaschonende Düngemittel und Bewirtschaftungsverfahren gefördert werden. 

 

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