
Milcherzeuger gründen MEG Oberland
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Mit Hilfe der neuen MEG Oberland sollen zudem die Transportkosten gesenkt und neue Vermarktungspartner gewonnen werden. Unterstützt wird die MEG von der Bayern MeG, einem Netzwerk von Milcherzeugergemeinschaften, das bereits mit zahlreichen Molkereien zusammenarbeitet. „Wir hatten Betriebe aus der Region, die zu uns kommen wollten. Wir konnten sie aber nicht aufnehmen“, berichtet Erich Härle gegenüber BWW.
Milchvermarktung flexibler gestalten
Und weil nun schon seit rund acht Monaten zu viel Milch auf dem Markt ist, drängten sich bei der OOMV immer mehr Überlegungen auf, wie sich die Milchvermarktung in der Region künftig weiter öffnen und flexibler gestalten lässt, erläutert Härle. So habe man sich entschlossen, die neue MEG Oberland zu gründen, die bereits zum 1. Januar 2026 mit rund 3,0 Mio. kg Milch an den Start ging. Sie kann zusätzlich Milch aufnehmen und an andere Molkereien weiterverkaufen.
Härle übernimmt Vorsitz
Sitz der MEG Oberland ist in Laubbach auf dem Betrieb von Erich Härle, der gleichzeitig auch der erste Vorsitzende ist. In der MEG gibt es eine Vorstandschaft und einen Beirat. Im Vorstand sitzen neben Erich Härle Florian Häfele (Allgäu) und Felix Schwenk (Schwarzwald). Härle macht im Gespräch mit BWW deutlich, dass er die junge MEG mit anschieben, sich mittelfristig aber altershalber zurückziehen und an die junge Generation übergeben möchte.
OOMV und MEG arbeiten getrennt
Zur Erinnerung: Die Omira Oberland Milchverwertungs GmbH (OOMV) blieb nach dem Verkauf des operativen Omira-Molkereigeschäfts an Lactalis im Jahr 2017 eigenständig im Besitz der Bauern. Seitdem ist OOMV-Geschäftsführer Erich Härle für die Bündelung und den Verkauf der Rohmilch der rund 1500 Milcherzeuger an die Lactalis-Gruppe sowie für die Verwaltung der Erzeugeranteile zuständig. Vor der Übernahme war Härle Aufsichtsratsvorsitzender der ehemaligen Omira-Gruppe. Die OOMV bündelt die Milch der Landwirte und verkauft sie über einen laufenden Vertrag bis Ende 2030 an die Lactalis-Gruppe, wobei eine Verlängerung angestrebt wird. Nach dem Auslaufen des Alpenmilchvertrags Ende 2025 konnten zertifizierte Alpenmilch-Landwirte in die QM++-Schiene wechseln. Derzeit liefert die OOMV rund 580 Millionen Kilogramm Milch an Lactalis.
Härle betont, dass die neu gegründete MEG Oberland und die OOMV formal nichts miteinander zu tun haben: „Das sind zwei separate Bündelungen.“ Und: „Uns war wichtig, die Milch in der Region zu bündeln, weil die Fracht- und Logistikkosten künftig den Unterschied für einen wettbewerbsfähigen Milchpreis machen werden.“ Seien die Logistikkosten zu hoch, würde die heimische Milch für potenzielle Abnehmer uninteressant. Verschiedene Milchsorten spielen ebenfalls eine Rolle. Mit einem breiten Angebot möchte man schauen, dass man für unterschiedliche Abnehmer interessant wird.
So wollen Erzeuger wettbewerbsfähig bleiben
Markus Seemüller von der Bayern MeG, der Härle und seine Kollegen in den Gremien in dem Gründungsprozess der MEG begleitet hat, ergänzt: „Über die MEG Oberland wollen die Milcherzeuger eine maximale Flexibilität in der Vermarktung schaffen.“ Zum einen ginge es darum, das Geschäftsverhältnis mit der Lactalis-Gruppe weiterhin bestmöglich und effizient führen zu können. Zum anderen wolle man mit zusätzlichen Partnern zusammenarbeiten, ohne das bestehende Geschäft zu beeinträchtigen. Was ihn besonders ermutigt, sei eine erste positive Resonanz bei Betrieben, die bereits angekündigt hätten, diese neue MEG nutzen zu wollen, meint Seemüller.
Bayern MeG ist deutschlandweit aktiv
Die Bayern MeG beschreibt Seemüller als ein großes Netzwerk mit über 130 Milcherzeugergemeinschaften, die insgesamt rund 6 Milliarden kg Milch vermarkten, rund zwei Mrd. kg Milch davon außerhalb Bayerns. „Wir arbeiten deutschlandweit mit 30 Molkereien zusammen und stellen dieses Netzwerk gerne auch der neu gegründeten MEG Oberland zur Verfügung“, versprach Seemüller. Härle ist bereits einer von 70 Aufsichtsräten der Bayern MeG. Erste abnehmende Molkerei der neu gegründeten MEG Oberland ist das Milchwerk in Bad Wörishofen.
Vertragsabschlüsse in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
Bemerkenswert erscheint die Langfristigkeit vieler Abnahmeverträge: Da werden Vereinbarungen geschlossen, die erst in zwei oder drei Jahren greifen – und dann oft über fünf Jahre oder länger laufen. Das geschieht ausgerechnet in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, in denen kaum jemand verlässlich vorhersagen kann, wie sich der Markt entwickeln wird. Markus Seemüller bringt diese Mischung aus Risiko und Pragmatismus mit einem bayerischen Sprichwort humorvoll auf den Punkt: „Man muss heiraten und Heu machen, wenn man kann, nicht wenn man mag.“
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