Königin der Nacht
Die Gemeine Nachtkerze ist die Heilpflanze des Jahres. Ihre Samen enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die unter anderem bei Neurodermitis und Ekzemen helfen können.
von Sonja Minardi erschienen am 14.01.2026Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eine zweijährige Pflanze: Im ersten Jahr bildet sie oberirdisch eine unscheinbare Rosette, unterirdisch entsteht eine kräftige Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr bildet sich dann ein bis zu anderthalb Meter hoch werdender Blütenstand, der seinen Höhepunkt im Juli und August hat. Die Blüten haben ihren großen Auftritt in der Dämmerung: Wenn die Sonne langsam untergeht, entfalten sie sich in wenigen Minuten von der Knospe zur strahlend gelben Schönheit. Ein Spektakel, das bei keiner anderen Pflanze in Mitteleuropa zu sehen ist. Ist die Blüte vollständig entfaltet, verströmt sie nach wenigen Minuten einen vanilleartigen Duft, der Insekten und vor allem Schmetterlinge aus der Familie der Schwärmer anzieht. Nach nur rund 36 Stunden ist sie wieder verblüht.
Die ursprüngliche Heimat der Nachtkerze ist Nordamerika. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde sie als Zierpflanze nach Europa gebracht. Die anspruchslose Pflanze verbreitete sich mit ihren vielen kleinen Samen schnell und ist so mittlerweile auch bei uns heimisch geworden.
Entzündungshemmende Linolensäure
Die Samen der Nachtkerze enthalten die mehrfach ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und Gamma-Linolensäure. Vor allem die Gamma-Linolensäure hilft gegen Entzündungsprozesse der Haut und lindert Juckreiz. Das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl kann dazu in Cremes und in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel angewendet werden. Innerlich angewendet kann Nachtkerzenöl ebenfalls Arterienverkalkung und Arthritis vorbeugen sowie bei Allergien helfen. Die Gamma-Linolensäure wirkt außerdem hormonstabilisierend. Sie kann bei Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden regulierend helfen. Bereits die indigene Bevölkerung Nordamerikas nutzte sie als Nahrungs- und Arzneimittel. So gibt es Überlieferungen zur Verwendung als Lungen- und Magenmittel, zur Blutreinigung und bei Wunden und Hautproblemen.
Die Gemeine Nachtkerze ist nicht nur eine Heilpflanze, sie kann auch in der Küche verwendet werden. Alle Pflanzenteile sind essbar. Die jungen Blätter können als Gemüse wie beispielsweise Mangold zubereitet werden. Die Wurzel erinnert vom Geschmack her an Schwarzwurzeln. Umgangssprachlich ist sie aufgrund ihrer beim Braten entstehenden rötlichen Färbung auch als Schinkenwurzel bekannt. In schlechten Zeiten war die anspruchslose Wildpflanze in der Küche äußerst willkommen.

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