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Apfelanbausystem im Test

Superschlank geht's hoch hinaus

Mit mehr Bäumen pro Hektar den Apfelertrag nach oben schrauben – die Idee klingt so einfach wie plausibel. Allerdings sorgte vor gut 25 Jahren dieser Ansatz bereits für Furore in der Branche. Das Ergebnis war ernüchternd: Es funktionierte nicht. Nun nimmt das Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) in Bavendorf einen neuen Anlauf mit Dichtpflanzungen. Erste Resultate mit superschlanken Kernobstspindeln klingen vielversprechend.
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 Einer Fruchtwand gleich präsentiert sich die neue Anbauform der Super-Spindelanlage.
Einer Fruchtwand gleich präsentiert sich die neue Anbauform der Super-Spindelanlage.KOB
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Dicht an dicht stehen die Apfelbäume in der Reihe der neuen Versuchsanlage. Leider hat auch ihnen in diesem Jahr der Frost zugesetzt. Nur wenige Äpfel hängen an den kurzen Fruchtspießen nahe am Stamm, Langtriebe sucht man vergeblich. Doch Obstbaumeister Thomas Kininger beteuert, dass die Bäume in den Vorjahren einen starken Behang aufwiesen. „Mehr Bäume, mehr Ertrag“, erläutert der KOB-Mitarbeiter eines der Grundprinzipien, die hinter dem neuen Anbausystem stecken. Statt der üblichen 3000 bis 3500 Bäume pro Hektar steht auf den Versuchsflächen mindestens die doppelte Anzahl.
Doch warum soll nun gelingen, was vor 25 Jahren mit den Dichtpflanzungen schief ging? Kininger ist um keine Antwort verlegen und nennt eine Reihe von Gründen. Zum einen wurden die damaligen Superspindel-Anlagen mit bis zu 10.000 Bäumen pro Hektar oft in Mehrfachreihen angelegt. Dort war aber sowohl der Wurzelschnitt als auch die Ausdünnung nicht oder nur begrenzt möglich. Doch selbst in Einzelreihen traten immer häufiger Probleme mit dem Wachstum der Bäume auf, denn auf starken Rückschnitt folgte starkes Wachstum. Die Kronenüberbauung kam dazu mit der Folge schlecht ausgefärbter Früchte.


Sommerschnitt bremst Wachstum


Mit dem neuen Anbausystem, das Kininger mittlerweile im neunten Jahr mit den Sorten Braeburn, Pinova, Jongagold und Fuji auf der Unterlage M9 testet und zu denen sich erst im vergangenen Jahr weitere Versuchsflächen mit Gala, Wellant, SweeTango und einer Birnenanlage gesellten, soll das nicht passieren. Zentraler Punkt dabei ist der Schnittzeitpunkt der Bäume. Statt im Winter wird im Sommer die Schere gezückt. Dies ist aber nicht mit dem bislang bekannten Sommerschnitt zu verwechseln, bei dem vorrangig Wasserschosser entfernt wurden. Im Prinzip handelt es sich vielmehr um einen Winterschnitt, der als Vorernteschnitt erfolgt und bei dem das Fruchtholz nach der letzten Frucht eingekürzt wird. „Damit habe ich das Wachstum im Griff. Die Bäume werden deutlich ruhiger“, gibt der Obstbaumeister bisherige Erfahrungen wider. Weniger Schnittarbeit und eine bessere Qualität, wobei die freigestellten Früchte in der Herbstsonne besser ausfärben können, nennt er als weitere Vorteile.
Wer nun fürchtet, mit dem Vorernteschnitt die Arbeitsspitze im Herbst weiter zu verschärfen, den beruhigt Kininger mit dem Hinweis, dass das schwache Fruchtholz schnell entfernt ist und auch keine allzu großen Schnitkenntnisse erfordert. Gerade bei starkwachsenden Sorten sieht er mit diesem Anbausystem einen Ansatz, mit wenig Arbeitsaufwand den Wuchs im Zaum zu halten. „Mehrarbeit gibt es dennoch, nämlich bei der Ernte, denn die Erträge liegen höher“, merkt er augenzwinkernd an.
„Wir hoffen auf Erträge, die konstant über 50 t/ha liegen. Unsere Versuche zeigen, dass auch noch mehr möglich ist“, ist KOB-Geschäftsführer Dr. Manfred Büchele zuversichtlich über eine betriebswirtschaftlich positive Bilanz des Anbausystems. Um die Erkenntnisse in die Praxis zu tragen, ist ein Beratungsangebot zur fachlichen Begleitung angedacht.

Infos zum Anbausystem gibt es bei einem Feldtag am KOB in Bavendorf am Sonntag, 17. September 2017, um 14 Uhr.

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