Bürokratiemonster ohne Wirkung?
Mit einem neuen Gesetz über das Wald-Monitoring will die Europäische Kommission Informationslücken über die europäischen Wälder schließen.
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Es soll eine umfassende Wissensgrundlage über Wälder schaffen, damit EU-Staaten, Waldbesitzer und Waldbewirtschafter besser auf den zunehmenden Druck auf die europäischen Wälder reagieren können. Diese müssen wiederstandfähiger gemacht werden gegen Bedrohungen wie Schädlinge, Dürren und Waldbrände, die der Klimawandel weiter verschärft.
Neuer Monitoring-Rahmen
Der Monitoring-Rahmen soll die Erhebung und den Austausch aktueller und vergleichbarer Walddaten ermöglichen, die durch eine Kombination von Erdbeobachtungstechnologie und Messungen am Boden gewonnen werden. Aufbauend auf den bestehenden nationalen Systemen könnten so Daten und Kenntnisse für die Entscheidungsfindung und die Umsetzung politischer Maßnahmen gewonnen werden. Derzeit seien die verfügbaren Informationen über den Zustand der Wälder und die Nutzung der Waldressourcen und -dienstleistungen verstreut und unvollständig, die Daten über die Wälder in der EU seien oft veraltet und werden anhand unterschiedlicher Definitionen erstellt, was zu erheblichen Wissenslücken führe, heißt es aus der EU.
Der neue Rahmen solle zur Schaffung einer integrierten Politikgestaltung im Forstsektor beitragen, indem er die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten stärke und sie ermutige, langfristige Pläne für ihre Wälder aufzustellen. Mit dem Vorschlag würdenkeine neuen direkten administrativen Anforderungen für Unternehmen, Waldbesitzer und Forstwirte eingeführt.
Kritik von den Waldbesitzern
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände sieht keine klaren Ziele und keinen konkreten Zusatznutzen eines neuen Instruments zum Forest Monitoring, das erst einmal vor allem weitere Kosten und womöglich Bürokratie erzeugen werde.
"So wie in der Landwirtschaft der Grundsatz gilt „Vom Wiegen wird das Schwein nicht fett“, müssen wir für die Forstwirtschaft feststellen, dass das Datensammeln nicht die Resilienz der Wälder gegen den Klimawandel erhöht; das geht nur durch den motivierten Waldumbau der 16 Millionen europäischen Waldeigentümer vor Ort. Auch in der praktischen Umsetzung gibt es noch reichlich offene Fragen: Ungeklärt ist der Datenschutz sowie die Zugangsregelung zu den für Eigentümer und Wettbewerb extrem sensiblen Daten. Ebenso fragen wir uns, warum ein solches europaweites Monitoringsystem von oben installiert werden soll, statt zunächst die ohnehin gesammelten Daten in den einzelnen Ländern zu nutzen. Grundsätzlich sind wir erneut enttäuscht von der EU-Kommission, die diesmal ausdrücklich angekündigt hatte, dass es vorab einen Dialog mit den Waldeigentümern geben werde. Diesen Dialog gab es nicht, so dass schon wieder ein praxisfernes Konstrukt entstanden ist. Wir müssen also hoffen, dass Rat und Parlament der EU unter intensiver Einbindung der Waldeigentümer den Entwurf verwerfen oder zumindest deutlich verbessern", sagt AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter zum Forest Monitoring Law-Entwurf der EU-Kommission.
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