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Karlsruher Bauerntag

Keine Spaltung zulassen

Die von Umweltverbänden, aber auch parteiideologisch befeuerten Diskussionen über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Arten- und Insektenschutz sowie die wachsende Polarisierung in konventionell und biologisch wirtschaftende Betriebe könnten einer Spaltung der Bauern Vorschub leisten. Diese Sorge äußerte Werner Kunz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Karlsruhe, am 19. Januar beim erstmals als Online-Schalte durchgeführten Bauerntag.

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Kreisvorsitzender Werner Kunz
Kreisvorsitzender Werner Kunz Screenshot Neub
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Dass die Bauern künftig mehr Umweltleistungen gegen einen entsprechenden Ausgleich erbringen müssen, geht für den Kreisvorsitzenden in Ordnung und spiegelt sich auch in den Weichenstellungen der Gemeinsamen Agrarpolitik wider. Wenn aber hierzulande politische Kräfte wie die Bundesfraktion der Grünen eine komplette Abschaffung der Direktzahlungen zugunsten einer Gemeinwohlprämie auf Basis eines Punktesystems für ökologische Leistungen und damit verbunden eine Halbierung der Tierzahlen ins Spiel brächten, sei das ein Schlag gegen die Veredlungsbetriebe. Viele Landwirte seien durchaus zu einer Abstockung ihrer Bestände für mehr Tierwohl bereit. Das müsse sich dann aber rechnen, forderte Kunz.

Stimmungsmache gegen Pflanzenschutzmittel

Mit großer Sorge sieht der Kreisvorsitzende auch die „Stimmungsmache“ gegen Pflanzenschutzmittel. Obwohl beispielsweise in Baden-Württemberg mit dem Kompromiss bei Insektenschutz ein Weg mit Vorbildcharakter zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 eingeschlagen worden sei, gäben sich die Umweltorganisationen damit nicht zufrieden. Sie wollten einen kompletten Ausstieg bis 2035 erzwingen. „Aber“, so Kunz, „man kann uns nicht alles wegnehmen ohne Ersatzlösung anzubieten, etwa durch biotechnischen oder züchterischen Fortschritt. Hier wird die Öffentlichkeit gezielt in die Irre geleitet“.

Gleiches gelte auch für die wachsende Polarisierung in konventionelle und ökoloische Landwirtschaft. Jüngstes Beispiel sei die Berlin-Demonstration zum Auftakt der Grünen Woche. Nicht-Regierungsorganisationen und Ökoverbände hätten hier den Eindruck vermittelten, alles außer Bio sei schlecht und die Bundesagrarpolitik habe versagt. „Eine Spaltung der Bauern in gut und böse dürfen wir aber nicht zulassen“, sein Appell. Beide Wirtschaftsformen hätten ihre Berechtigung und ihre Märkte. „Betriebe, die Bio machen wollen und können, sollen das tun“, so Kunz. Weil die konventionelle Landwirtschaft aber unverzichtbar bleibe, brauche sie wieder mehr Akzeptanz. Dazu müsse man den Dialog mit der Politik und Gesellschaft führen.

Nicht-marktfähige Leistungen müssen vergütet werden

In diesem Dialog sieht sich der Landesbauernverband (LBV) in vorderster Linie, machte LBV-Hauptgeschäftsführer Marco Eberle deutlich. Dabei gehe es darum, Fakten zu kommunizieren: Würden beispielsweise in Deutschland keine Fungizide mehr eingesetzt, müssten weltweit zusätzliche 1,2 Millionen Hektar Ackerland bestellt werden, um den Ertragsausfall durch den Verzicht zu kompensieren. In gleicher Größenordnung würde sich eine Umstellung auf ökologischen Landbau in der Größenordnung von 20 Prozent in Deutschland auswirken.

Im Dialog mit den Umweltverbänden und der Politik sei es im Land mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz gelungen, eine Kompromisslösung im Sinne eines Gesellschaftsvertrages Landwirtschaft und Naturschutz zu finden. Betriebe könnten aber ihre nicht-marktfähige Leistungen für den Umwelt- und Tierschutz nur erbringen, wenn die Maßnahmen praktikabel und finanziell honoriert seien. Dies sei eine zentrale Forderung des LBV.

Das Prinzip ‚Mehrleistung gegen Honorierung‘ sieht Eberle auch als notwendig bei der Umsetzung von mehr Tierwohl. Die erheblichen Investitionen und laufenden Mehrkosten von rund drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr könnten nicht von den Betrieben gestemmt werden. Sie müssten beispielsweise über Mehrerlöse am Markt, über privatwirtschaftliche Fondslösungen oder politische Weichenstellungen, etwa durch verstärkte Aufnahme von Tierwohlmaßnahmen in die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik, finanziert werden.

Abgerundet wurde der Bauerntag mit Erläuterungen von Tobias Mann vom LTZ zur novellierten Düngeverordnung sowie mit einem Blick auf die Agrarmärkte von Hermann Frey, Geschäftsbereichsleiter Vermarktung der ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe.

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