Mit Bauern im Gespräch
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Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung tauschte sich der Ministerpräsident mit den Betriebsleitern und Gästen in der hofeigenen Gemüsehalle aus. Kretschmann betonte, dass das Gespräch nicht aufgrund der Schlepperdemonstrationen der jüngsten Zeit zustande gekommen war. Auslöser sei vielmehr der Strategiedialog Landwirtschaft, den der Ministerpräsident im September 2022 für die Landwirtschaft angestoßen hatte.
In Ditzingen kam das Gespräch unter anderem auf das Thema Agrardiesel. Nach Einschätzung von beteiligten Landwirten erweckte der Ministerpräsident nicht den Eindruck, dass an dem jüngsten Beschluss der Bundesregierung zum gleitenden Abschmelzen der Steuerrückerstattung noch etwas zu ändern sei. Offener gab er sich bei Bewirtschaftungsauflagen zum Erosionsschutz, Stichwort Regenerosivitätsfaktor. Reinhard Grieshaber erklärte am Rand eines 2,5 Hektar großen Kartoffelackers, dass mit der jetzt vorliegenden Regelung, das Pflügen nicht mehr möglich sei und zusätzlich ein Erosionsschutzstreifen in das Feld eingezogen werden müsste.
Durch die veränderte Bodenbearbeitung würde die Verdichtung der schweren Böden eher zu- als abnehmen. Kretschmann will sich die Regelung im Einzelnen von seinen Fachbeamten erklären lassen. Um seinen Biostatus halten zu können, soll der Hof künftig zusätzlich 15 Hektar Weide nachweisen. Bisher sei der Auslauf mit den Laufhöfen im Stallgelände möglich gewesen. Die zusätzliche Weidefläche im verdichteten Ballungsraum Stuttgart zu bekommen, werde nicht einfach.
Auch der Mindestlohn kam zur Sprache. Nach Angaben in Ditzingen habe Baden-Württemberg 2023 beim Erdbeeranbau 25 Prozent des Anbaus an Spanien verloren, weil dort die Arbeitskräfte günstiger seien. Zu den Teilnehmern in Ditzingen-Hirschlanden gehörten Vertreter des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg wie der Vorsitzende Stefan Kerner und sein Stellvertreter vom Kreisbauernverband Heilbronn-Ludwigsburg sowie Dieter Mainberger vom Kreisbauernverband Tettnang.
Der 270-Hektar-Hof von Grieshaber & Schmid wird seit mehr als 40 Jahren ökologisch bewirtschaftet. Senior Wilfried Grieshaber, der 1981 den Wechsel von der konventionellen zur ökologischen Wirtschaftsweise vollzog, nahm an dem Besuch ebenfalls teil. Bewirtschaftet wird der Biohof heute von drei Familien mit den Betriebsleitern Reinhard und Mirjam Grieshaber, Gerhard Schmid und Daniel Grieshaber. Die Betriebsschwerpunkte sind Milcherzeugung mit rund 270 Kühen plus Nachzucht sowie dem Anbau von Kartoffeln und Feldgemüse. Die Biomilch verarbeitet die Molkerei Schwarzwaldmilch in Freiburg, Kartoffeln und Feldgemüse gehen an Verarbeitungsbetriebe und werden direktvermarktet, entweder über den eigenen Hof oder befreundete Betriebe.
Den Meinungsaustausch zwischen Landwirten und Ministerpräsident moderierte der Landtagsabgeordnete Martin Hahn. Die Gesprächsatmosphäre in der Gemüsehalle war konzentriert und von gegenseitigem Respekt geprägt – eine Haltung, wie sie offenbar auch im Stragiedialog bisher praktiziert wurde. Mit dem Gesprächsformat will die Landesregierung die kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtschaft in BadenWürttemberg erhalten und die biologische Vielfalt in der Kulturlandschaft zu stärken.











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