Grüner Schonbezug stoppt Verdichtung
- Veröffentlicht am

Schwere Maschinen drücken im Frühjahr auf die weiche Erde. Bei einigen Landwirten befährt bald gewichtige Gülletechnik vom Lohnunternehmer die Felder, damit die Betriebe Gülle und Gärreste entsprechend neuster Regeln ausbringen können. Auch aus diesem Anlass organisierten die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung, die Hochschule für Umwelt und Wirtschaft Nürtingen-Geislingen, die Universität Hohenheim, das Landratsamt Tübingen und das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) eine Tagung zur Bodenqualität.
Bodenverdichtung drückt den Ertrag: „Verluste von zehn bis 15 Prozent sind möglich und mit bloßem Auge kaum sichtbar“, sagt Dr. Jörg Breuer vom LTZ warnend. Düngen und Erntearbeiten fordern die Tragfähigkeit des Bodens besonders, bei der Silomaisernte überfahren Traktoren einige Bereiche des Ackers bis zu zwölf Mal. „Vorgewende und Fahrgassen sind meistens stark verdichtet, auch wenn wir flächenhaft noch keine verdichteten Böden in Baden-Württemberg haben“, erklärt Breuer.
Druck anpassen
Der Ertrag von Mais sinkt im Fahrgassenbereich um über 16 Prozent im Vergleich mit weniger befahrenen Flächen, das zeigte ein von Breuer vorgestellter Anbauversuch. Winterweizen reagierte ertraglich jedoch nicht auf die veränderte Bodendichte. „Die Ertragseinbußen hängen auch von der Kultur ab“, sagt Breuer zusammenfassend.
Landwirten rät er deshalb dazu, den Reifen-innendruck an den Untergrund anzupassen. Die passende Traglast und Fahrgeschwindigkeit zum Reifendruck steht in der zu den Reifen gehörigen Reifenluftdrucktabelle. Ist der Reifendruck auf Straßentransport eingestellt, zerquetschen Maschinen die Poren des nackten Bodens. Der Luft- und Wasserhaushalt der Pflanze ist gestört: „Luft und Regenwasser gelangen nicht mehr durch die Verdichtungszone nach unten und die Wurzeln können kein Wasser aus tiefen Bodenschichten holen“, sagt Breuer.
Nach einem Feldeinsatz mit 2,1 bar in den Reifen von Traktor und Güllefass federt der Ackerboden nach Breuers Aussage nicht mehr, die schwere Maschine hat die Struktur verdichtet und der Boden seine Elastizität verloren. Das Verschlauchen von Gülle oder eine Druckregelanlage an Maschinen kann die Situation entspannen, da bei beiden Verfahren weniger Druck auf dem Boden lastet. Bei niedrigerem Reifeninnendruck steigt die Auflagefläche, das Gewicht der Maschine verteilt sich gleichmäßiger im Boden und verdichtet weniger. Die Druckregelanlage passt den Reifeninnendruck an Erdboden (etwa 0,8 bar) und die Straße (rund 1,6 bar) an.
Luftregelanlage kann sich lohnen
Eine Konsole im Traktor steuert einen Kompressor, der über Luftschläuche mit den Reifen verbunden ist. Zudem verbessert der gesenkte Druck die Kraftübertragung zwischen den Rädern des Schleppers und der Erde. Die Maschine braucht folglich weniger Kraft und Treibstoff auf dem Acker und verschleißt auf der Straße weniger Reifen. „Über diese rund zehn Prozent niedrigeren Maschinenkosten amortisiert sich eine Regelanlage manchmal schon in zwei Jahren“, kommentiert Breuer. Eine auf der Tagung gezeigte Anlage zum Nachrüsten kostet circa 8000 Euro.
Der Reifendruck ist eine Stellschraube des Verdichtens, die Tragfähigkeit des Bodens und die Überrollhäufigkeit sind zwei weitere. Im Ackerbau mit Pflug ist der Boden sehr druckempfindlich und die Pflugsohle selbst meist am stärksten verdichtet. Bei der Mulchsaat ist der Untergrund etwas stabiler und bei Direktsaat fängt die grüne Bodenbedeckung einen großen Teil des Drucks bereits an der Oberfläche ab, sodass tiefere Bodenschichten locker und porig bleiben. Konservierende Anbausysteme könnten demnach ein Schlüssel zu lockeren Böden sein, die viel Wasser und Luft aufnehmen.
Schonend und sparsam
Wolfgang Ibach ist Berater für Pflanzenproduktion am Landwirtschaftsamt Bruchsal. Er vergleicht an der Versuchsstation Ladenburg seit 22 Jahren die Ökonomie hinter Anbausystemen, die unter anderem auf dem Pflug, Mulchsaat und Direktsaat beruhen. Der mittlere Ertrag über 22 Jahre fiel in Ladenburg bei der Mulch- und Direktsaat fünf bis zehn Prozent geringer aus als nach dem Pflügen. In Extremjahren wie dem trockenen 2003 oder 2011 brachte die Ernte nach einer Direktsaat aber knapp zehn Prozent mehr Ertrag.
Der Unternehmergewinn je Hektar lag im Durchschnitt über 22 Jahre bei Direktsaat mit rund 150 Euro über dem des Pflugsystems mit knapp 100 Euro und unter dem der Mulchsaat mit 185 Euro. „Der Gewinn war aber stark von der Kultur abhängig“, erklärt Ibach. Der Gewinn von Winterweizen übertraf in Direktsaat den des Pflugsystems um über 35 Prozent und den der Mulchsaat um über zehn Prozent.
Ökologisch sinnvoll, Pflanzenschutz erforderlich
Bei Winterraps war der Vorsprung der Direktsaat sogar noch etwas größer. Braugerste brachte hingegen unter Direktsaat einen Verlust von über 100 Euro je Hektar ein, während in Pflug- oder Mulchsaat Gewinne zwischen 70 und 135 Euro erzielt wurden. „Braugerste braucht schnell wärmende Böden im Frühjahr, die Bedeckung in der Direktsaat stört diese Kultur eher“, erläutert Ibach.
Die Direktsaat erfordert im Vergleich zum Pflugsystem weniger Überfahrten, das sparte in Ladenburg rund ein Drittel der Arbeitszeit. Außerdem können Landwirte komplett auf einen Pflug oder Grubber verzichten. Die Direktsaat hat laut Ibach Vorzüge bei der Ökologie: Im Boden gab es über viermal mehr Regenwürmer und Wurmgänge gegenüber der Bodenbearbeitung mit dem Pflug oder der Mulchsaat.
Die Nachteile liegen in erhöhten Kosten für Saatgut und Pflanzenschutzmitteln: Vor allem in den ersten fünf Jahren haben Anbauer wenig Erfahrung mit dem Unkrautmanagement in der Direktsaat und müssen in der Regel öfter spritzen, vor der Direktsaat ist Glyphosat generell schwer verzichtbar.
Zwischenfrüchte als Herbizide
„In manchen Jahren funktioniert Direktsaat aber auch ohne Glyphosat“, sagt Prof. Dr. Carola Pekrun von der Hochschule Nürtingen-Geislingen. In ihren Augen hängt er von der Fruchtfolge und Zwischenfrüchten ab, ob Unkräuter Druck machen und die Hauptfrucht unterdrücken. Zwischenfrüchte bedecken den Boden bis zur Saat im Frühjahr.
Meistens schwächt sie der Winter stark, sodass einmal kreiseleggen vor der Saat den Acker freimacht für die Folgekultur. In Anbauversuchen funktionierte das nicht jedes Jahr gleich gut, in manchen Jahren konnten Anbauer aber nahezu auf einen Spritzgang mit dem Totalherbizid verzichten. Der grüne Teppich aus Pflanzenresten wirkt sogar als Bioherbizid: „Allelopathische Substanzen aus zerdrückten Zwischenfrüchten hemmen das Wachstum von Keimen auf der Oberfläche des Erdbodens.“
Gründünger wirkt langfristig
Zuvor schieden die Zwischenfrüchte bis zu 50 Prozent ihrer durch Fotosynthese geschaffenen Energiespeicher als Zucker und organische Säuren in den Boden aus. Diese Wurzelausscheidungen füttern wiederum Bodenlebewesen, die im Boden für Folgekulturen Phosphor mobilisieren. „Bei Mais sind diese Wurzelausscheidungen an den Stützwurzeln mit bloßem Auge sichtbar“, merkt Carola Pekrun an.
In einem dreijährigen Anbauversuch war die Kombination aus Direktsaat und Zwischenfrüchten der Mulchsaat ertraglich nicht überlegen. Allerdings findet die Wissenschaftlerin den Versuchszeitraum für eine langfristige Bodenwirkung zu kurz: „Es dauert, bis der Boden sich verändert. Mittelfristig sind positive Auswirkungen von Zwischenfrüchten und Bodenruhe auf die Bodenfruchtbarkeit zu erwarten.“

















Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.