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QM-Nachhaltigkeitsmodul

Milchviehhalter setzen auf Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig wird die Milch auf Deutschlands Betrieben erzeugt? Das QM-Nachhaltigkeitsmodul Milch gibt darauf erste Antworten. In einem in 2017 gestarteten dreijährigen Pilotprojekt wurden Daten von rund 7500 Milcherzeugern zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen erhoben, ausgewertet sowie Weiterentwicklungen angestoßen.
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Rueß
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Die Ergebnisse der Pilotphase zeigen, dass die Betriebe im Hinblick auf Nachhaltigkeit mehr Stärken haben als häufig angenommen. Bei einigen Kriterien gibt es allerdings Optimierungsbedarf. Erhoben wurden Daten zu 84 Kriterien aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Tierwohl. Die Rückmeldungen zu den Ergebnissen an die Landwirte erfolgten in Form eines einzelbetrieblichen Benchmarks, das einen Vergleich mit Berufskollegen der jeweiligen Molkerei ermöglicht. Darüber hinaus erhielten die teilnehmenden Molkereien im Laufe der Pilotphase 54 Berichte mit anonym dargestellten Gesamtergebnissen der Nachhaltigkeitsbefragung ihrer Erzeuger. Viele der Molkereien haben zusammen mit ihren Landwirten begonnen, gemeinsam die Ergebnisse zu reflektieren. Ziele sowie Maßnahmen für Weiterentwicklungen zu ausgewählten Themen wurden vereinbart.

Wie sehen die Ergebnisse der Pilotphase aus?

Trotz der überwiegenden Teilnahme von Milcherzeugern aus den nördlichen und westlichen Bundesländern erlauben die Ergebnisse Rückschlüsse zu den Stärken und Herausforderungen der deutschen Milcherzeugung. Es zeigte sich, dass die Milcherzeuger mit einer guten Ausbildung überzeugen. Mehr als ein Drittel haben höhere Abschlüsse - vom Meister bis zum Hochschulabschluss. Über die Hälfte der Milcherzeuger nutzen Fortbildungen und Beratungen. Mit 93% wird der Großteil der Milchkühe in Laufställen gehalten. Kuhkomforteinrichtungen für mehr Tierwohl sind weit verbreitet. Eine regelmäßige Klauenpflege ist fester Bestandteil in vielen Betrieben. Im ökonomischen Bereich gaben 54% der Milcherzeuger an, auch in zehn Jahren noch Milchproduktion zu betreiben; 27% wollen jedoch austeigen. Damit verbunden ist, dass über die Hälfte der Betriebe mit der wirtschaftlichen Situation nicht zufrieden ist. Nachholbedarf gibt es bei einigen Landwirten z.B. im Bereich des Risikomanagements. Vor dem Hintergrund volatiler Preise und extremer Wetterereignisse wird dieser Bereich zukünftig jedoch immer wichtiger. Nachdenklich sollte die Aussage stimmen, dass fast jede fünfte Betriebsleitung die eigene Arbeitsbelastung als dauerhaft sehr hoch und dabei oft auch über das persönliche Limit einschätzt. Trotz des hohen Zeitaufwandes in der Milchproduktion engagieren sich 67% der Betriebe ehrenamtlich, womit Betriebsleiterfamilien zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in ländlichen Regionen beitragen. Unter ökologischen Gesichtspunkten ist positiv hervorzuheben, dass Landschaftselemente, ökologisch wertvolle Flächen und extensives Grünland auf den Flächen der befragten Betriebe stärker verbreitet sind als erwartet (3 % Flächenanteil). Optimierungsbedarf gibt es beim Nährstoff- und Güllemanagement, z.B. hinsichtlich der Kenntnisse über die Nährstoffgehalte der Gülle. Positiv ist, dass jeder zweite Milcherzeuger „grüne Energie“, insbesondere Solarenergie, erzeugt.

„Wir haben uns als QM-Milch e.V. für die Erarbeitung und Umsetzung des QM-Nachhaltigkeitsmoduls vor einigen Jahren bewusst entschieden“, betont Bernhard Krüsken, Vorstandvorsitzender des QM-Milch e.V. „Damit wollen wir als Milcherzeuger zeigen, dass wir uns längst auf den Weg gemacht haben, Entwicklungen anzugehen. Dabei können wir enorme Stärken vorweisen, wie die Ergebnisse zeigen. Mit dem Nachhaltigkeitsmodul haben wir ein zusätzliches Monitoring-Instrument, mit dem das hohe Niveau in der Milcherzeugung gegenüber den Abnehmern im Markt sowie gegenüber der Gesellschaft dargestellt werden kann. Wichtig ist es, die Wertschätzung dafür zu erhöhen und einen angemessenen Preis für hochwertige und nachhaltig produzierte Produkte zu erzielen“, so Krüsken.

Projektpartner des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Innovationsprojektes waren das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, der QM-Milch e.V. und das Projektbüro Land und Markt. Aktiv am Nachhaltigkeitsmodul Milch teilgenommen haben 26 Molkereien aus ganz Deutschland und eine Milcherzeugergemeinschaft. Der Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen hatte die Entwicklung einer speziell für das Modul angelegten Datenbank übernommen. Das Pilotvorhaben endet in diesem Sommer. Es wird direkt im Anschluss durch ein ebenfalls dreijähriges Folgeprojekt fortgesetzt.

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