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Kreisbauerntag in Sigmaringen

Hauk will Vielfalt erhalten

„Wir brauchen Landwirtschaft und Tierhaltung in Baden-Württemberg“, sicherte Agrarminister Peter Hauk am 6. Januar den Landwirten im Land seine Unterstützung zu. Eingeladen zum Dreikönigstag in die Festhalle in Laiz, der traditionell von den Sternsingern eröffnet wird, hatte der Bauernverband Biberach-Sigmaringen.

von Matthias Borlinghaus Quelle Kreisbauernverband Biberach-Sigmaringen erschienen am 07.01.2026
Als Macher präsentierte sich Agrarminister Peter Hauk auf dem Dreikönigstag in Laiz. Dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) will er von politischer Seite her die Stirn bieten und verlangte, dass der LEH die Verdienste innerhalb der Wertschöpfungskette offenlegt. © Matthias Borlinghaus
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Für 2026 wünscht sich Agrarminister Peter Hauk einen Aufschwung für die Tierhaltung im Land, wie er sagte. Hauk lobte die Landwirte für ihre Arbeit. „Danke, für alles, was Sie geleistet haben. Sie sind Tag für Tag da und werden Ihrer Verantwortung gerecht.“ Und: „Sie versorgen das Land mit Lebensmitteln, erhalten die Natur und sichern die Artenvielfalt.“ Aufgabe der Politik sei es, sich zu kümmern, dass es den Menschen gut geht. Deshalb müsse man das Thema Verantwortung wieder verstärkt in den Mittelpunkt stellen. „Sie als Landwirte zeigen, wie das geht. Sie sind Vorbilder für die ganze Gesellschaft“, so Hauk. Ohne Landwirtschaft gebe es keine Biodiversität. Wer Vielfalt wirklich wolle, brauche Ackerbauern und Tierhalter. Nur die Tierhaltung sichere eine hohe Fruchtfolge im Ackerbau und sorge dafür, dass das Grünland bewirtschaftet wird.

Mehr Transparenz vom Handel

Verantwortung trage auch der Handel. Dieser müsse ein ehrlicher und fairer Partner sein, der angemessene Preise bezahlt, forderte Hauk. Er habe noch vor Weihnachten das Kartellamt angeschrieben und sei der Meinung, dass vom Staat zu wenig gegen Oligopole vorgegangen werde. Wenn die großen Player den Markt unter sich aufteilten, habe das nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun. „Wer verdient eigentlich in der Wertschöpfungskette?“, fragte Hauk und meinte, dass der Handel eine Verdienstspanne von im Schnitt 20 Prozent plus habe. Hier müsse man mehr Transparenz vorschreiben, appellierte Hauk an die Bundespolitik. Für den Weinbau, so Hauk, habe er eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Verdienste innerhalb der Wertschöpfungskette offenzulegen. Für die Handelsunternehmen müsse klar sein, dass sie nicht so weitermachen können wie bisher, wenn sie künftig weiterhin in Baden-Württemberg erzeugte Lebensmittel verkaufen wollen. Lieferabsprachen und Preiskorridore seien gefragt, weil das Lohn- und Kostenniveau im Land höher liegt als für Ware aus dem Ausland. Wer regionale Produkte will, muss verlässliche Abnahmegarantien geben. „Da muss noch einiges besser werden“, so Hauk.

Plädoyer für die Tierhaltung

Um die Tierhaltung im Land zu halten, habe man in den vergangenen Jahren bereits einiges erreicht, auch wenn der Spielraum wegen der Sparpolitik immer geringer werde. So habe es jüngst auch auf Bundes- und auf EU-Ebene Entlastungen gegeben, für die sich insbesondere auch der EU-Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses im EU-Parlament, Norbert Lins, seit Jahren einsetzt, lobte Hauk und zeigte sich zuversichtlich, dass die Belange der Landwirte durch die rechts-konservative Mehrheit im EU-Parlament künftig besser berücksichtigt würden als dies bei einer grünen/linken Mehrheit der Fall gewesen sei. In der GAP ab 2027 müssten weitere Vereinfachungen folgen. Gängelungen und Kontrollen müssten aufhören, forderte Hauk. Er versprach: „Wenn Schweinehalter investieren wollen, werden wir ihnen dies ermöglichen.“ Die Förderung von Stallneubauten werde ab August 2026 wieder auf Landesebene abgewickelt, nachdem das Bundesprogramm ausläuft. Auch in Sachen Emissionsschutzrecht müsse einiges vereinfacht werden. Es könne nicht angehen, dass das Umweltamt im Land die gesetzlichen Vorgaben für Bauvorhaben über die bestehenden Standards hinaus zusätzlich verschärfe. „Das kann es nicht sein.“ Zudem müssten die Genehmigungsprozesse beschleunigt werden. Hauk machte sich in Sigmaringen dafür stark, dass die bestehenden Biogasanlagen weiter in Betrieb bleiben. Ihr Beitrag sei wichtig für die Energiewende. Hier wäre man sofort handlungsfähig. Es mache keinen Sinn, laufende Anlagen abzuschalten.

Tierwohl kostet Geld

„Wer Tierwohl will, muss Tierwohl ermöglichen. Wir brauchen endlich eine verbindliche Planungssicherheit für neue Ställe und für Stallumbauten“, forderte der Vorsitzende Karl Endriß in seinem Vortrag. Dazu gehöre ein praxisgerechtes Baurecht mit einem echten Tierwohlvorrang und ein Zugang zu Förderprogrammen. Und: „Tierwohl kostet Geld. Wenn diese Kosten allein auf den Höfen hängenbleiben, wird die Tierhaltung aus Baden-Württemberg verschwinden“, warnte Endriß und bemängelte die Verlässlichkeit von politischen Entscheidungen. Die Unsicherheit unter den Landwirten sei groß.

Bürkle sieht Chancen

Die Grußworte sprachen Stefanie Bürkle, Landrätin im Landkreis Sigmaringen, Petra Ehmann, stellvertretende Bürgermeisterin von Sigmaringen und Norbert Lins (MdEP), Europaabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses im EU-Parlament. Das Schlusswort hielt der stellvertretende Vorsitzende des VLF, Thomas Sugg.

„Viele von Ihnen sehen sich mit einer wirtschaftlichen Realität konfrontiert, die kaum noch Raum für eine unternehmerische Entfaltung lässt“, meinte Stefanie Bürkle. Obwohl Investitionsentscheidungen nur schwer zu treffen und die Einkommenslage nicht gut seien, gebe es Chancen für die Betriebe, am besten in einer Fokussierung auf die Regionalität, „indem man auf das schaut, was man selber beeinflussen kann, anstatt zu lamentieren, was in der großen weiten Welt vor sich geht“, so Bürkle. Gesunde Ernährung, kurze Transportwege, vertrauensvolle Wertschätzungsketten: Für Bürkle sind das Antworten auf die Anonymität der Weltmärkte. Ihrer Einschätzung nach müsse der Ausbau regionaler Vermarktungsstrukturen mit klarer Herkunftsbezeichnung weitergehen. Positiv sei, dass mehr junge Menschen Interesse an der praktischen Landwirtschaft zeigen würden. In der Technikerschule in Sigmaringen fänden sie dafür die besten Voraussetzungen. Bürkle verspricht sich von einem Generationswechsel auf den Betrieben eine Stärkung der Eigenverantwortung und mittelfristig auch mehr frischen Wind für die Verwaltungsarbeit. Mut mache ihr die Zusammenarbeit der Fachschulen in Oberschwaben. Dabei handelt es sich um einen Verbund der Technikerschule mit den landwirtschaftlichen Fachschulen Biberach und Ravensburg und dem LAZBW Aulendorf.

Lins ist gegen Renationalisierung der Agrarpolitik

Norbert Lins betonte die angespannte Lage auf den Agrarmärkten, wenn sich immer mehr Länder abschotten, und ging darauf ein, welche Verbesserungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bereits erreicht wurden und wie sie künftig weiter erhalten werden kann. Er wendet sich klar gegen eine Renationalisierung der Agrarpolitik. Die Einkommenswirksamkeit dieser Politik leidet nicht nur am Budget, sondern auch an der vorgeschlagenen neuen Struktur. Auf den Ministerrat und das EU-Parlament warteten große Aufgaben, diese Politik bestmöglich fortzusetzen. Bewährte Instrumente müssten erhalten bleiben. Das bedeute eine starke erste Säule, aber auch den Erhalt der zweiten Säule mit zukunftsweisenden Programmen, wie Agrarumweltschutz, Agrarinvestitionsförderung und Risikoversicherungen.

Boos folgt Burger

Agrarminister Peter Hauk dankte Klaus Burger, dem langjährigen Landtagskollegen und Vorsitzenden des Arbeitskreises Agrarpolitik in der CDU-Fraktion, für die geleistete Arbeit. Der 67-jährige Burger wird in der kommenden Wahlperiode nicht mehr kandidieren. Seine Nachfolge an der Spitze der Kreis-CDU übernimmt seine bisherige Stellvertreterin Ilona Boos.

Volles Haus in der Festhalle in Laiz: Zum Kreisbauerntag konnte der Vorsitzende Karl Endriß zahlreiche Gäste begrüßen, darunter Isabel Kling, Ministerialdirektorin im Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), die drei LBV-Vizepräsidenten Hans-Benno Wichert, Jürgen Maurer und Roswitha Geyer-Fäßler sowie von den Landfrauen Christa Fuchs, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern, und Doris Härle, Vorsitzende beim LandFrauenverband Biberach-Sigmaringen.
Volles Haus in der Festhalle in Laiz: Zum Kreisbauerntag konnte der Vorsitzende Karl Endriß zahlreiche Gäste begrüßen, darunter Isabel Kling, Ministerialdirektorin im Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), die drei LBV-Vizepräsidenten Hans-Benno Wichert, Jürgen Maurer und Roswitha Geyer-Fäßler sowie von den Landfrauen Christa Fuchs, Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern, und Doris Härle, Vorsitzende beim LandFrauenverband Biberach-Sigmaringen. © Matthias Borlinghaus
Geschenkkorb: Als Dankeschön überreichten der KBV-Vorsitzende Karl Endriß und Thomas Sugg (l.) vom Verein zur landwirtschaftlichen Fortbildung im Kreis Sigmaringen e. V. Agrarminister Peter Hauk (r.) einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten.
Geschenkkorb: Als Dankeschön überreichten der KBV-Vorsitzende Karl Endriß und Thomas Sugg (l.) vom Verein zur landwirtschaftlichen Fortbildung im Kreis Sigmaringen e. V. Agrarminister Peter Hauk (r.) einen Geschenkkorb mit regionalen Produkten. © Matthias Borlinghaus
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