Verbraucher-Marke hat es nicht geschafft
Die Initiative „Du bist hier der Chef!“ hat ihre hauptamtliche Arbeit eingestellt. Der Lebensmittel-Einzelhandel hat das Projekt ins Leere laufen lassen.
von Redaktion erschienen am 14.01.2026Die Bereitschaft des Handels, sich am Aufbau eines transparenten Sortiments an fairen Produkten zu beteiligen, sei ausgeblieben, zieht der Gründer und Vereinsvorsitzende Nicolas Barthelmé in einer Pressemitteilung nach sechs Jahren Bilanz. Anders als in Frankreich, wo die Idee ursprünglich entstanden ist – kann sich die Verbraucher-Marke damit in Deutschland nicht etablieren. Kern des Modells sind Produkte, deren Qualitätsstandards und Preise von Verbrauchern selbst über eine digitale Abstimmung festgelegt werden. Dabei geht es auch darum, dass transparente und faire Preise für Erzeuger gezahlt werden und alle Kosten vom Acker bis zum Regal offengelegt werden.
Absatz in Deutschland blieb bescheiden
In Deutschland beteiligten sich nach Angabe der Initiative über 35.000 Verbraucher an der Definition solcher Produkte. Die Absatzmengen hierzulande blieben aber bescheiden: Knapp 2,5 Mio. Liter Milch von der Upländer Bauernmolkerei in Hessen produzierte Milch wurden verkauft, dazu kamen 64.000 Packungen Eier und 67 Tonnen Kartoffeln, insgesamt kamen rund 4,25 Mio. Euro Umsatz im Zeitraum 2019 bis 2024 zustande. Zum Vergleich: In Frankreich wurden allein 2024 rund 125 Mio. Euro mit Produkten mit der Verbraucher-Marke „C’est qui le patron?“ umgesetzt, mit steigender Tendenz. Vor allem die Trinkmilch ist dort fast flächendeckend im Handel vertreten. Das Konzept habe den Lebensmittelhandel Barthelmé zufolge neugierig gemacht. Doch die Angst, den ersten Schritt in Richtung höherer Einkaufspreise und Preistransparenz zu wagen, lähmte viele Handelspartner. Jegliche Mitsprache bei der Handelsspanne werde als Übergriff aufgefasst. Der Markt sei nicht für vollständige Preistransparenz bereit.
Erfahrungen werden weitergegeben
Das Projekt wird nicht vollständig beendet: Die Verbraucher-Milch – wichtigstes Produkt der Initiative – bleibt in den bereits belieferten Lebensmittelmärkten erhältlich. Barthelmé wechselt als Vorsitzender des Vereins ins Ehrenamt. Die Erfahrungen des Projekts werden der Öffentlichkeit „als Nährboden für die nächste Generation demokratischer Lebensmittel zur Verfügung gestellt“, wie der Verein mitteilt.




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