Deutsches Soja gesucht
In Deutschland wird zunehmend deutsches, gentechnikfreies Soja am Markt gesucht. Eine Informationsveranstaltung des LTZ Augustenberg Ende November in Appenweier zeigte Vorteile und Herausforderungen des Soja-Anbaus auf.
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Unter der Überschrift „Eine Million Tonnen Soja gesucht“ hatte das LTZ zur Informationsveranstaltung eingeladen. Von dieser Menge, für die etwa 300.000 bis 400.000 ha Fläche benötigt werden, ist Deutschland noch weit entfernt. Die derzeitige Sojaanbaufläche liegt bei 50.000 ha bundesweit.
Enorme Umweltleistungen
Eigenes Soja zu erzeugen und nicht auf Importe aus Übersee angewiesen zu sein, hat enorme Einsparpotentiale in Bezug auf die Kohlendioxid-(CO2)-Reduktion. Beim Anbau von Soja im Amazonasgebiet (Brasilien) werden nach wie vor Urwaldflächen gerodet. Dabei werden große Mengen an CO2 freigesetzt. Aber auch der Transport von Soja aus Südamerika oder den USA nach Europa hat CO2-Emissionen zur Folge.
Würde der gesamte brasilianische Soja-Import durch inländischen Anbau ersetzt, ließe sich laut Dr. Vanessa Schulz der Ausstoß von CO2 (gemessen in CO2-Äquivalenten) um 18 Prozent reduzieren. Nicht zu unterschätzen sind auch die Bedeutung der Selbstversorgung und Unabhängigkeit von Lieferketten im globalen Kontext: “Durch heimischen Sojaanbau kann Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen geschaffen werden", so Schulz.
Tipps zum Anbau
Dass der Anbau von Soja in Baden-Württemberg gelingt, zeigen Ergebnisse vieler Landwirte, die bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Soja erfolgreich anbauen. Welche Sorten und Impfmittel aktuell zur Verfügung stehen und sich in Baden-Württemberg bewährt haben, erläutern Anne Reutlinger und Helmut Nußbaumer (beide LTZ). Fazit von Reutlinger: „Die Impfung von Sojasaatgut ist ganz klar wirtschaftlich“. Der Einsatz von Impfmitteln führt in aller Regel zu einem Mehrertrag von mindestens 10 dt/ha und steigert zudem den Rohproteinanteil im Erntegut.
Gerd Münkel, Anbauberater am LRA Sinsheim, führt aus, welche pflanzenschutztechnischen Maßnahmen sinnvoll sind. Vor der Aussaat ist die Auswahl geeigneter Flächen von großer Bedeutung. Münkel macht deutlich: „Sojaanbau sollte nur auf Flächen erfolgen, die frei von Disteln und Winden sind.“ Winterungen, wie zum Beispiel Weizen sind geeignete Vorfrüchte, da sie die Flächen lange bedecken und Unkräuter somit lange unterdrücken. „Eine Herbizidmaßnahme bei Soja ist auf jeden Fall im Vorauflauf einzuplanen“, so der Berater.
Es fehlen finanzielle Anreize wie in anderen Bundesländern
Landwirt Bernhard Irion baut südlich von Freiburg seit mehr als 30 Jahren Soja an und ist von den Vorteilen der Kultur in seiner Fruchtfolge überzeugt. „Soja ist für mich nach wie vor eine sehr interessante Kultur. Es ist keinerlei N-Düngung notwendig“, berichtet Irion. Allerdings bedauert der Landwirt, dass es in Baden-Württemberg keine finanziellen Anreize durch Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (FAKT II) wie in anderen Bundesländern gibt.
Ob die Erhöhung der Öko-Regelung (ÖR2) von derzeit 45 Euro/ha auf 60 Euro/ha in 2024 (für vielfältige Kulturen) ausreicht, ist betriebsindividuell zu klären.
Einstieg mit frühen Sorten
Martin Miersch, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Sojaförderrings erläutert, an welchen Stellschrauben im Sojaanbau zu drehen ist, um möglichst hohe Erträge zu erzielen. Wer neu in den Sojaanbau einsteigt, sollte zunächst mit einer frühen Sorte beginnen (Reifegruppe 3 oder 4). Zudem ist Soja als abtragende Frucht in der Fruchtfolge zu planen. Eine Stickstoff-Düngung ist nicht zu empfehlen, da sonst die Knöllchenbakterien „faul“ werden und sich nicht im notwendigen Maß entwickeln.
Nachfrage in Deutschland wird steigen
Die Chancen, deutsches (GVO-freies) Soja auch vor Ort gut absetzen zu können, stehen gut. Das amerikanische Unternehmen Archer Daniels Midland Company (ADM) betreibt Ölmühlen unter anderem in Straubing und Mainz. Wolfgang Geltinger (ADM) führt dazu aus, dass zwar bisher überwiegend importiertes Soja verarbeitet wird, es aber klares Ziel des Unternehmens ist, zunehmend GVO-freies, europäisches Soja anzunehmen.
Programme wie QS SojaPlus werden hier sicherlich förderlich sein. Bei QS SojaPlus wird ab 2024 ein Nachweis gefordert, dass Soja auf nicht entwaldeten Flächen angebaut wurde. In Baden-Württemberg stehen die Unternehmen AGROA Raiffeisen e.G. (Eppingen) und ZG Raiffeisen e.G. (Karlsruhe) mit ihrem vielverzweigten Netz an regionalen Erfassungsstellen und Lagern bereit, Sojalieferungen anzunehmen, das bestätigten Siegmar Benz (AGROA) und Uwe Fülle (ZG Raiffeisen). Es bleibt zu hoffen, dass sich die Preise für inländische Ware erholen und der heimische Sojaanbau für Landwirte und Landwirtinnen sich weiterhin rechnet.
Die Veranstaltung fand im Rahmen von LeguNet statt.
Hintergrund zum Projekt LeguNet
Der Bedarf an heimischen Eiweißfuttermitteln und das Interesse an eiweißreichen und glutenfreien Produkten in der menschlichen Ernährung wachsen stark. Heimische Hülsenfrüchte wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen oder Soja sind nachhaltig und gentechnikfrei. Die Anbauzahlen dieser Körnerleguminosen steigen, ihr Potenzial ist jedoch lange nicht ausgeschöpft. Die Ackerbaustrategie der Bundesregierung strebt bis 2030 zehn Prozent Leguminosen in der Fruchtfolge an. Im Rahmen der bundesweiten Eiweißpflanzenstrategie setzt das LeguNet die Arbeit von drei Netzwerken zu Erbse/Bohne, Lupine und Soja fort und bündelt das Wissen rund um alle Körnerleguminosen. In Deutschland eher selten angebaute Kulturen wie Kichererbsen und Linsen sind ebenfalls in das Netzwerk integriert, denn durch Klimaveränderungen steigt auch ihr Anbaupotenzial.
Hier finden Sie Ergebnisse zu Impfmittel- und Sortenversuchen mit Soja.
Hier finden Sie den aktuellen Beitrag zu den Landessortenversuchen mit Soja 2023.
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