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Spitzengespräch mit dem LEH

Bekenntnis zu Qualitätsschweinefleisch

Als konstruktives Gespräch wertete Agrarminister Peter Hauk die anderthalbstündige Videokonferenz von Baden-Württemberg und Bayern mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) über die Lage am Schweinemarkt am 26. Februar. Angesichts der dramatischen Lage am Schweinemarkt habe man sich entschlossen, konzertiert vorzugehen und ein Spitzengespräch anzuberaumen, so Peter Hauk auf der anschließenden Pressekonferenz.

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   Als konstruktives Gespräch wertete Agrarminister Peter Hauk die anderthalbstündige Videokonferenz von Baden-Württemberg und Bayern mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) über die Lage am Schweinemarkt am 26. Februar.
Als konstruktives Gespräch wertete Agrarminister Peter Hauk die anderthalbstündige Videokonferenz von Baden-Württemberg und Bayern mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) über die Lage am Schweinemarkt am 26. Februar. Borlinghaus
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Engagiert hätten sich die LEH-Vertreter eingebracht, berichtete Hauk. Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber sprach von einem "guten Tag". Vom LEH aus erster Hand die Bereitschaft zu erfahren, gemeinsam einen harten Weg gehen zu wollen, wertete sie als positiv. Entscheidend für Kaniber sei der Schulterschluss und der Startschuss für weitere angekündigte Gespräche mit der Branche und mit den landwirtschaftlichen Verbänden. „Die Zeit ist vorbei, dass wir es uns alle erlauben können, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Die Zeit ist reif zusammen an Lösungen zu arbeiten“, so Kaniber. Vom LEH kämen bereits positive Signale, wie Preisstützungen, Werbung und Programme. Der Handel habe zugesagt, unlautere Praktiken nicht mehr anzuwenden, wofür es aus Sicht Kanibers auch allerhöchste Zeit war. Sie betonte, dass die Erzeuger in Bayern und Baden-Württemberg größtenteils für den Binnenmarkt produzieren. „Unsere Selbstversorgungsgrade sind nicht utopisch, wir produzieren für die Heimat“, so Kaniber. Wenn mehr Tierwohl gewünscht werde, müsse man das gemeinsam realisieren und die Landwirte hierbei mit Förderung und höheren Preisen unterstützen.

Wertschöpfungsketten sollen gestärkt werden

Ziel des Spitzengespräches sei es gewesen, für Bäuerinnen und Bauern Perspektiven in der Schweine- und Ferkelproduktion zu schaffen, erläuterte Hauk. Er bedankte sich beim Handel für den konstruktiven Austausch. „Es waren alle nennenswerten Player dabei. Die großen Discounter genauso wie die großen Vollsortimenter“, so Hauk. Einig sei man sich gewesen in der Zusammenarbeit zur Sicherung regionaler Wertschöpfungsketten. Die Konsumenten im Süden, so Hauk, legten allergrößten Wert auf hochwertige Lebensmittel, welche sich die Menschen mit ihrer vergleichsweisen starken Kaufkraft auch leisten könnten. „Hier sollten wir die Synergien in der Produktion und in der Verarbeitung, wie wir sie in Süddeutschland haben, nutzen,“ so Hauk. Entsprechend gebe es in beiden Bundesländern von der EU-zertifizierte erfolgreiche Qualitätsprogramme. „Das eint uns mit Österreich und Südtirol“, so Hauk. Dieses Alleinstellungsmerkmal im Süden sollte auch weiterhin gepflegt werden. Hauk gehe es darum, für beide Seiten, für Erzeuger und für den LEH, strukturelle Entwicklungen aufzuzeigen und Verständnis für einander zu wecken. Wer mehr Tierwohl wolle, müsse dafür auch mehr bezahlen. Hauk zeigte sich zufrieden, dass der Handel überhaupt bereit sei, darüber zu sprechen.

Mehr Werbung mit regionalen Produkten

Eine Weiterentwicklung der Programme, abgestimmt mit dem süddeutschen Lebensmittelhandel, sei von größter Bedeutung, um den Schweinesektor am Standort zu halten. Beworben werden müssten Qualitätsprodukte, was beim LEH auch bereits in Teilen gemacht werde. Heimat, Nachhaltigkeit und regionale Lebensmittel würden in den Werbeaktionen aufgegriffen. Der Verkauf der Produkte mit Qualitätssiegel laufe gut. Ein Werben mit Dumpingpreisen müsste unbedingt eingestellt werden. Der Trend, dass die Verbraucher immer mehr zu regional und auch ökologisch erzeugten Produkten greifen, müsse im Sinne der Erzeuger als Chance genutzt werden, hob Michaela Kaniber hervor.  

Bundesratsinitiative für eine Branchenorganisation

Um für die Branche eine Grundlage zu schaffen, hat Baden-Württemberg vor zwei Wochen eine Bundesratsinitiative gestartet. Die Branche solle hier künftig Mindestpreise für Fleisch festlegen können. „Die Politik kann keine Mindestpreise für Fleisch festlegen, aber die Branche könnte es, falls man dafür in Form einer Branchenorganisation die Voraussetzung schaffen würde“, so Hauk. Den Mindestpreis sieht der Minister als eine Art Sicherheitsnetz für die Erzeuger und nicht als ein Instrument, um in den Markt einzugreifen. Der dafür eingebrachte Entwurf zur Änderung des Fleischgesetzes wird im Agrarausschuss von Michael Kaniber unterstützt und soll in der kommenden Woche im Bundesrat zur Abstimmung gebracht werden. Wichtig ist dem Minister auch, dass die Wertschätzung für die Tiere zunimmt. Deshalb wird der Bund aufgefordert, ein Verbot für eine Niedrigpreiswerbung bei Fleisch und Fleischprodukten auszusprechen. „Es muss Schluss sein mit Niedrigpreisangeboten für Fleisch“, so Hauk.

Gute Vorsätze für weitere Gespräche

Im Spitzengespräch wurde herausgearbeitet, dass jeder Akteur in der Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen müsse. Hauk machte deutlich: sollte der LEH mit langfristigen Verträgen über Menge und Preis den Erzeugern keine Perspektiven bieten, werde die Investitionsbereitschaft der Tierhalter weiter sinken. Sonst werde der Anteil an regionalem Schweinefleisch noch stärker zurückgehen, als dies ohnehin schon seit Jahren der Fall sei. Die Entwicklung sei besorgniserregend. In den vergangenen 10 Jahren hätten schon über 20 Prozent der Betriebe ihre Produktion eingestellt. Dem Trend könne man so nicht einfach weiter zuschauen. Vom LEH sei das Signal gekommen, den Absatz der Produkte aus den länderspezifischen Qualitätsprogrammen zu unterstützen. Und: Auf Anregung des LEH wolle man die Gespräche künftig mit Erzeugern und Erzeugergemeinschaften weiter fortsetzen.

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