Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Exkursion des Arbeitskreises Konservierender Ackerbau

30 Jahre Feldversuche in Zollikofen

Ende 2025 veranstaltete der Arbeitskreis Konservierender Ackerbau Baden-Württemberg seine Exkursion in die Schweiz. Dort informierten sich die Teilnehmer vor allem über die Direktsaat und deren positive Auswirkung auf den Boden.

von Fabian Dörle erschienen am 05.01.2026
Boden aus Direktsaatsystemen zeigt eine deutliche Krümelstruktur. In der Schweiz in Zollikofen wird die Direktsaat deshalb seit 1994 mit Pflügen verglichen. Doch auch dort ist die Direktsaat trotz der unmittelbaren Nähe des Versuchs zu landwirtschaftlichen Lehreinrichtungen im Lehrplan kaum vertreten. © Jonas Klein
Artikel teilen:

In regelmäßigen Abständen versucht der Arbeitskreis neben Tagesexkursionen auch mehrtägige Ausflüge zu organisieren. In der konservierenden Landwirtschaft ist neben der nicht wendenden Bodenbearbeitung das Interesse an der Direktsaat in den letzten Jahren immer größer geworden. Der englische Ausdruck Conservation Agriculture (CA) beschreibt minimale Bodenbearbeitung, im Idealfall Direktsaat, und zwar nicht nur als ein Saatverfahren, sondern als ackerbauliches System.

Jubiläum der Dauerbeobachtungsfläche Oberacker

Da die Dauerbeobachtungsfläche „Oberacker“ im schweizerischen Zollikofen 2025 ihr 30-jähriges Bestehen feierte, wurde sie kurzerhand als Ausflugsziel benannt. So ein langjähriger und umfangreicher Versuch dürfte zumindest im deutschsprachigen Raum einzigartig sein und ist für ein solch aufbauendes Verfahren eigentlich zwingend notwendig, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Dort angekommen, bekam die Gruppe mit Teilnehmern aus ganz Deutschland von den langjährigen Versuchsbetreuern Wolfgang Sturny und Andreas Chervet einen sehr interessanten Vortrag über die verschiedenen pflanzenbaulichen, aber auch technischen Entwicklungen zu hören. Anekdoten dazu, dass sich manches im Hintergrund abspielte und wie zum Beispiel die ausgetüftelte Kombination von Kreuzschlitzschar und Vereinzelungsaggregat zustande kam, machten den Vortrag gleichermaßen unterhaltsam. Das Versuchsergebnis bescheinigte, dass bei manchen Nachteilen oder Schwierigkeiten, aber sehr vielen Vorteilen, die Direktsaat der Pflugsaat ertraglich mindestens ebenbürtig ist.

Bodenstruktur und Exkursionsabschluss in der Schweiz

Anschließend ging es auf die Versuchsfläche, auf der man sich einen Eindruck über die aktuellen Bestände und vor allem den Boden machen konnte. Bei der Spatenprobe wurde deutlich, wie gut sich der Boden unter Direktsaat entwickelt hat und einzelne Zonen durch die Durchmischung allein durch das Bodenleben verschwunden sind. Infiltrationskästen mit Böden aus Pflug- und Direktsaatverfahren unterstrichen die einzigartige Struktur und damit die Infiltrationsleistung und Klarheit des Wassers unbearbeiteter Böden. Doch auch in der Schweiz ist die Direktsaat trotz der unmittelbaren Nähe des Versuchs zu den landwirtschaftlichen Lehreinrichtungen im Lehrplan so gut wie nicht vertreten.

Besuch beim Direktsaat-Pionier in Seedorf

Am nächsten Tag führte die Tour nach Seedorf zu Hanspeter Lauper, welcher seit den 90er Jahren ein Pionier der Direktsaat und vor allem Tüftler für Direktsaatmaschinen ist. In der Lohnarbeit setzt er mehrere Drill- und Einzelkornsämaschinen für alle Saatverfahren ein, führt aber auch weitere Arbeiten mit technischen Innovationen durch, welche letztendlich dem Boden zugutekommen. Mit seiner sehr sympathischen und motivierenden Art zeigte er seine technischen Entwicklungen und wie er die neuesten digitalen Hilfsmittel auf seinen vielen kleinstrukturierten Feldern einsetzt. Beim Anblick seines herausragenden Bodens kam den Beteiligten erneut die Frage auf: „Warum machen das denn nicht alle so?“

Mischkulturen und Relay-Cropping in Jeuss

Reto Minder aus Jeuss, Vorsitzender von Swiss No-till, zeigte uns auf seinem Betrieb, wie er nicht nur verschiedene Kulturen in Direktsaat, sondern diese auch als Mischkulturen beziehungsweise im Relay-Cropping anbaut. So begutachtete die interessierte Gruppe abgeerntetes Soja, welches im reihenweisen Wechsel zu Weizen angebaut wurde, und gedroschenen Mais, der im Wechsel zu Zuckerrübenreihen stand. Über die verschiedenen Effekte kann so ein deutlich gestiegener Ertrag gegenüber einer Reinkultur erzielt werden und gleichzeitig dem Ziel, den Boden mit unterschiedlichen Kulturen zu bepflanzen, Rechnung getragen werden. Tabak und Rosenkohl werden im Betrieb im Strip-Till-Verfahren angebaut. Die gerade stattfindende Rosenkohlernte wurde von den Gästen aufmerksam verfolgt, bevor man zu einem Abschlussgespräch zusammenstand.

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich bei der traditionellen Vortragsveranstaltung des Arbeitskreises am 15. Januar 2026 in Hohenheim wiedersehen. Zu dieser sind alle Interessierten, auch nichtgelistete Personen herzlich eingeladen. Dieses Jahr steht diese unter dem Motto „Mehr Leben in den Boden bringen.“ Zudem wird vom 2. bis 5. Juni 2025 das Soil Evolution Event in der Schweiz stattfinden, das von den drei Vereinen GKB, Boden.Leben und Swiss No-till zum dritten Mal veranstaltet wird.

Vernetzung für den Bodenschutz

Die Vereine Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB) aus Deutschland mit dem Vorsitzenden Klaus Keppler, Boden.Leben aus Österreich mit dem Vorsitzenden Lorenz Mayr und Swiss No-till aus der Schweiz mit dem Vorsitzenden Reto Minder beschäftigen sich teilweise schon über fast drei Jahrzehnte mit dem Thema schonende Bodenbewirtschaftung. Sie vernetzen Landwirte untereinander, begleiten viele pflanzenbauliche Versuche und organisieren regelmäßig Vortragsveranstaltungen. Eine besondere Art davon ist die seit 2022 von allen drei Vereinen gemeinsam arrangierte Veranstaltung Soil Evolution, bei der es geballtes Wissen rund um den Boden gibt. Der Arbeitskreis Konservierender Ackerbau Baden-Württemberg ist eine regionale Gruppe der GKB, was aber eine Mitgliedschaft nicht zwingend erfordert. Der Arbeitskreis bietet in seinem Gebiet verschiedene Veranstaltungen an. Darunter die jährliche, Anfang Januar stattfindende Vortragsveranstaltung in Hohenheim, jährliche Exkursionen und spontan stattfindende Feldrandgespräche. Weitere Informationen gibt es auf www.gkb-ev.de

Zwischenstand des Feldversuchs

Nach Jahrzehnten Versuchsdauer zeigte die Direktsaat gegenüber dem Pflug laut Agrarforschung Schweiz keine Nachteile in der Nährstoffversorgung: Über das gesamte Bodenprofil waren die Vorräte an organischem Kohlenstoff und Nährstoffen vergleichbar. In der obersten Bodenschicht reicherte sich bei Direktsaat mehr Corg, Gesamtstickstoff, Kalium und Magnesium an, während Phosphor und Calcium leichte Maxima in etwa 20 cm Tiefe aufwiesen. Der über 20 Jahre gemittelte Relativertrag lag bei Direktsaat um rund 2,5 % höher, wenn auch nicht signifikant; in einer langfristig angepassten Fruchtfolge erzielten Wintergetreide und Leguminosen im Direktsaatsystem jedoch höhere Erträge als im Pflugsystem.

Mehr zum Thema:
0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren
Ort ändern

Geben Sie die Postleitzahl Ihres Orts ein.