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Rolf Brauch im Interview mit BWagrar

Welche Haus-Aufgaben gilt‘s zu erledigen?

Rolf Brauch telefoniert in der Corona-Pandemie mit vielen Landwirten über deren Sorgen und Nöte. Im Gespräch mit BWagrar spricht er wiederkehrenden Handlungsbedarf an und appelliert an die Betroffenen, diesem nachzukommen. Brauch ist Regionalbeauftragter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande für Nordbaden. Zudem unterrichtet er an der Ländlichen Heimvolkshochschule in Mosbach-Neckarelz (Neckar-Odenwald-Kreis).
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Rolf Brauch ist Regionalbeauftragter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande für Nordbaden und unterrichtet an der Ländlichen Heimvolkshochschule in Mosbach-Neckarelz (Neckar-Odenwald-Kreis).
Rolf Brauch ist Regionalbeauftragter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande für Nordbaden und unterrichtet an der Ländlichen Heimvolkshochschule in Mosbach-Neckarelz (Neckar-Odenwald-Kreis).Privat
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Rolf Brauch im Inteview mit BWagrar

Welche Haus-Aufgaben gilt‘s zu erledigen?

Rolf Brauch ist Regionalbeauftragter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande für Nordbaden. Zudem unterrichtet er an der Ländlichen Heimvolkshochschule in Mosbach-Neckarelz (Neckar-Odenwald-Kreis), einer ökumenischen Einrichtung der ländlichen Erwachsenenbildung. In der Corona-Pandemie telefoniert er mit vielen Landwirten über deren Sorgen und Nöte. Im Gespräch mit BWagrar spricht Brauch wiederkehrenden Handlungsbedarf an und appelliert an die Betroffenen, diesem nachzukommen.

 

BWagrar: Herr Brauch, „Stillstand ist Rückschritt“ heißt es. Manche Bauernfamilien droht der „Wachstumszwang“ zu erdrücken. Ist dies Thema in Zeiten der Pandemie?

Brauch: Ja, das höre ich immer wieder. Wer nicht wächst, wird weichen müssen. Das ist wohl fast so etwas wie ein „bäuerliches Glaubensbekenntnis“.

Es kann ein Weg sein. Es gibt aber auch den Weg, „besonders“ zu sein. Letztlich geht es darum, seinen Gewinn zu erwirtschaften. Und bei kleinen Margen braucht man eben großen Mengen.

Deshalb ist es wichtig, zu den Besten zu gehören. Das nimmt den Druck, groß sein zu müssen. Dabei ist es entscheidend, große Margen zu haben. Als Grundvoraussetzung gilt es dazu, seine Buchführung ehrlich und ordentlich zu machen, zu verstehen und entsprechend im Management zu handeln. Hier ist ein ganz hoher Nachholbedarf von der Ausbildung bis zur betrieblichen Praxis und Beratung. Viele betriebliche Entscheidungen haben Blindflugcharakter. Die Wirklichkeit wird sich schöngerechnet. Mit all den Folgen wie Arbeits- und Fremdkapitalbelastung.

„Um bei den Besten zu sein, ist wichtig, die Buchführung ehrlich und ordentlich zu machen, zu verstehen und entsprechend zu handeln.“

Aufgrund der Preissituation und den Volatilitäten fangen auch große Betriebe an, etwas „Besonderes“ auf dem Betrieb neu zu entwickeln. Im Kraichgau liegt das am Niedergang der Zuckerrübe als Cash Crop oder in Hohenlohe an den Entwicklungen bei den Schweinen. Vielfalt kommt neu in den Blick statt spezialisierter Größe. Das ist eine Chance zur Stabilität. Hier gibt es neue Chancen zur Kooperation und Wertschöpfung.

BWagrar: Leidet infolge von Arbeitsbelastung die Kommunikation auf den Höfen? Welche Folgen ergeben sich daraus?

Brauch: In zu vielen Fällen ist in diesem Jahr das Grundproblem mangelhafte oder zu späte Kommunikation. Und die in bäuerlichen Kreisen verbreitete, unausgesprochene Erwartungshaltung nach dem Motto „Der oder die wird schon wissen, was er oder sie da macht!“ Gerade Männer sind oft wahrhafte Sprachökonomen, nämlich höchst sparsam mit Worten.

Gerade in familiären Konfliktsituationen wird schnell und heftig Anderes und Fremdes abgewertet. Das schafft immer Rechtfertigungsdruck und Konfrontation.“

Gerade in familiären Konfliktsituationen wird schnell und heftig Anderes und Fremdes abgewertet. Zum Beispiel, wenn Junge und Alte, Männer und Frauen andere Wege gehen als erhofft und gedacht oder einen anderen Freizeitanspruch oder Erziehungsstil haben. Das schafft immer Rechtfertigungsdruck und Konfrontation. Eltern haben ihren Erziehungsauftrag bei ihren erwachsenen Kindern „verloren“ und können getrost ihren pädagogischen Zeigefinger stecken lassen. Leben wir überzeugend unsere Werte von Familie und Betrieb? Das wäre schon viel!

BWagrar: Wie steht es mit der Kritikfähigkeit, insbesondere, wenn Betroffene unter Druck stehen oder das zumindest so empfinden?

Brauch: Oft nicht zum Besten. Kritikfähigkeit ist vjedoch sehr wichtig. Kritik kann ein Motor zu einer guten Veränderung in meiner Persönlichkeit oder im betrieblichen Alltag sein. Dazu muss ich aber in der Lage sein, auf der Sachebene zu hören und nicht alles sofort auf dem „Beziehungsohr“ als Angriff auf meine Person zu verstehen.

Lassen Sie Ihr Leben nicht von anderen leben! Folgen Sie Ihrem inneren Kompass – respektvoll zu sich und anderen gegenüber!“

Die Benennung von Problemlagen wird in der Landwirtschaft oft als Angriff auf anwesende Personen verstanden. Das ist auch der Unsicherheit und dem Dauer-Angriffsmodus durch Gesellschaft und Medien geschuldet, wie es manche Landwirte sehen. Da hilft eine große Portion Selbstwertgefühl und Gelassenheit. Das kann man übrigens lernen und einüben.

Was Sie als Landwirtin oder Landwirt bei allen Herausforderungen tun sollten: Folgen Sie Ihren Stärken, Ihren Werten und Ihren Bedürfnissen. Sie und Ihr Leben ist einmalig. Lassen Sie es nicht von anderen leben! Folgen Sie Ihrem inneren Kompass – respektvoll zu sich und anderen gegenüber!

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