
Dumpingpreise gefährden Existenzen
Der erneute Einbruch der Schweinepreise zu Jahresbeginn trifft die Schweinehalterinnen und Schweinehalter in Baden-Württemberg mit voller Wucht. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) warnt eindringlich: Dieser Preisdruck bedroht die Existenz der regionalen Schweinehaltung.
von Landesbauernverband in Baden-Württemberg erschienen am 14.01.2026Mit aktuell nur noch 1,45 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht ist das Preisniveau am Schweinemarkt auf einen Stand gefallen, der für die Betriebe nicht mehr kostendeckend ist. Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) warnt eindringlich: Dieser Preisdruck bedroht die Existenz der regionalen Schweinehaltung – mit weitreichenden Folgen auch für Verbraucherinnen und Verbraucher.
„Ein Schlag in die Magengrube der Schweinehalter“
LBV-Vizepräsident Hans-Benno Wichert, selbst Schweinehalter und Vorsitzender des LBV-Fachausschuss Vieh und Fleisch, findet dafür deutliche Worte: „Direkt zu Jahresbeginn den Schlachtschweinepreis um 15 Cent zu senken, ist ein Schlag in die Magengrube der Schweinehalter. Die nordwestdeutschen Schlachtunternehmen enttäuschen damit einmal mehr. Wer sich als Partner der Landwirtschaft versteht, kann eine solche Preisdrückerei nicht ernsthaft vertreten! Forderungen nach derartigen Preisrücknahmen nehmen bewusst in Kauf, dass Tierhalter aufgeben, und zerstören damit systematisch die heimische Nutztierhaltung. Auch für unsere Ferkelhalter ist das ein harter Einschnitt, sie bekommen nun 5,50 € weniger pro Ferkel.“
Wichert kritisiert zudem die fehlende Verlässlichkeit für die Betriebe: „Wir liefern konstant hohe Qualität und erfüllen die geforderten Haltungsformen. Doch die Entlohnung ist nicht planbar. Bei derart volatilen Preisen und fehlender politischer Planungssicherheit sind Investitionen in mehr Tierwohl eine nicht darstellbare Illusion. Gerade für die Ferkelerzeuger als schwächstes Glied der Kette hat das fatale Folgen und führt zu immensen finanziellen Verlusten. Hier kann man nicht einfach von heute auf morgen die Produktion abschalten kann, wenn die Preise so schlecht sind. Bei den aktuellen Preisen ist zu befürchten, dass zahlreiche weitere Schweinehalter aufgeben und so der Strukturwandel weiter massiv vorangetrieben wird.“
Sinkender Selbstversorgungsgrad trifft auch Verbraucher
Die Folgen dieses Strukturwandels gehen weit über die Landwirtschaft hinaus. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt in Baden-Württemberg inzwischen lediglich bei 54 Prozent. Immer mehr Fleisch muss importiert werden – oft aus Regionen mit niedrigeren Standards bei Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz. Der Bauernverband betont: Die Tierhaltung ist für viele Betriebe im Land die existenzielle Grundlage. Gleichzeitig ist sie unverzichtbar für die Gesellschaft. Ohne Tierhaltung gibt es keine gepflegte Kulturlandschaft und keine ausgewogene Ernährung.
Geben immer mehr Höfe auf, verlieren Verbraucherinnen und Verbraucher nicht nur regionale Produkte, sondern auch Transparenz, kurze Wege und die Möglichkeit, sich bewusst für Lebensmittel aus heimischer Erzeugung zu entscheiden.
Der Landesbauernverband in Baden-Württemberg fordert die Schlachtunternehmen und auch den Lebensmitteleinzelhandel eindringlich auf, ihre Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette wahrzunehmen. Preisdrückerei auf dem Rücken der Erzeuger gefährdet nicht nur bäuerliche Familienbetriebe, sondern langfristig auch die Versorgungssicherheit im Land. Gleichzeitig braucht es politische Planungssicherheit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine angemessene Entlohnung, wenn Tierwohl, Regionalität und hochwertige Lebensmittel in Baden-Württemberg eine Zukunft haben sollen.
Strukturwandel beschleunigt sich
Die aktuellen Marktentwicklungen verschärfen eine ohnehin dramatische Lage. Die Viehzählung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg zeigt deutlich: Die Schweinehaltung im Land geht weiter massiv zurück. Zum Stichtag 3. November 2025 lag der Schweinebestand bei nur noch 1,25 Millionen Tieren, ein Minus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders alarmierend ist der Rückgang der Betriebe: Die Zahl der Schweinehalter sank auf 1.470 Betriebe (-1,6 Prozent). Im Vergleich zu 2010 bedeutet das einen Rückgang von über 60 Prozent bei den schweinehaltenden Betrieben. Auch die Zuchtsauenhaltung steht unter massivem Druck. Erstmals fiel der Bestand unter die Marke von 100.000 Tieren. Heute gibt es im Land nur noch 560 Zuchtsauenbetriebe.
Hans-Benno Wichert warnt eindringlich: „Diese dramatischen Einbrüche übertreffen unsere Befürchtungen bei Weitem. Wenn dieser Entwicklung jetzt nicht endlich entschlossen entgegengewirkt wird, brechen auch die letzten Betriebe weg – mit gravierenden Folgen für die regionale Wertschöpfung. Schweinefleisch ist nach wie vor das beliebteste Fleisch der Baden-Württemberger und muss deshalb auch aus dem Ländle kommen.“








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