Wetter und Saisonkräfte: Dauerthemen für Obst- und Gemüsebauern
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Die regionalen Wetterextreme nehmen weiter zu. Die Abreife des Baumobstes aber auch des Weins beschleunigte sich. Beim Gemüse war es für das Wachstum teilweise zu heiß mit entsprechenden Ertragsrückgängen und die Auswirkungen auf die Herbstkulturen sind derzeit nicht abschätzbar, teilt der Deutsche Bauernverband (DBV) mit.
In Deutschland wird bei Äpfeln in diesem Jahr eine gute Ernte erwartet. So ist in Deutschland von rund 912.000 Tonnen auszugehen, nach der sehr großen Ernte von 1.199.000 Tonnen im Vorjahr und damit rund 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Frühapfelernte läuft bereits, die Haupternte wird Ende August beginnen.
Bei Süßkirschen wird in diesem Jahr mit rund 48.000 Tonnen etwas mehr erwartet als 2018 mit 44.200 Tonnen und die Sauerkirschenernte 2019 liegt geringfügig unter der Ernte 2018 und dürfte nach 15.900 Tonnen im letzten Jahr in diesem Jahr bei 15.000 Tonnen liegen. Bei Pflaumen und Zwetschen wird nach der großen Ernte im letzten Jahr mit 61.200 Tonnen eine leicht unterdurchschnittliche Ernte um die 46.000 Tonnen erwartet. Bei Mirabellen wird 2019 eine Erntemenge von rund 5.500 Tonnen erwartet.
Die Erdbeersaison war witterungsbedingt auch in diesem Jahr schwierig. Die hohen Temperaturen ab Juli waren für die Kulturführung schwierig, zuvor war es meist zu kühl mit einer zu knappen Marktversorgung. Die nunmehr auslaufende Erdbeersaison war insgesamt dennoch von einer guten Marktversorgung geprägt. Gegenüber dem Vorjahr erwartet der DBV mengenmäßig eine etwas geringere Erntemenge von rund 140.000 Tonnen nach 142.000 Tonnen im Jahr 2018.
Früher Start beim Gemüse
Beim Gemüse begann die Erntesaison 2019 bei fast allen Kulturen früher als im letzten Jahr, allerdings verzögerte sich dann im April und Mai das Wachstum durch die kühleren Temperaturen wieder. Stark- und Extremniederschläge haben vielen Gemüsekulturen auch in diesem Jahr zugesetzt. Und die Hitzetage haben ihre Spuren im Gemüsebau hinterlassen. Die diesjährige Trockenheit war für die Betriebe bei der Bewässerung der Kulturen wieder eine große Herausforderung.
Für den Spargel war es über weite Teile eine ausgeglichene Saison, wenn auch im April und Mai witterungsbedingt die Menge geringer war. Insgesamt war die Spargelsaison durch einen sehr frühen Beginn gekennzeichnet, der dann aber durch die folgende zu kühle Witterung ins Stocken geraten ist. 2019 war damit eine der längsten Spargelsaisons. Im Vergleich zum Vorjahr ist bundesweit von einer leicht niedrigeren Erntemenge auszugehen, allerdings bei einer leichten Flächeneinschränkung, auf vorläufig geschätzte 130.000 Tonnen. 2018 betrug die Erntemenge 133.000 Tonnen.
Bei Zwiebeln ist von einer Erntemenge von knapp 500.000 Tonnen auszugehen, nach 409.000 Tonnen im Jahr 2018 und die Möhrenernte dürfte die rund 625.000 Tonnen aus dem schwachen Vorjahr etwas übersteigen. Bei Weiß- und Rotkohl zeigt sich ein differenziertes Bild. Schwache Standorte ohne Bewässerung zeigen Ertragsdepressionen. Insgesamt ist aber von einer guten Kohlernte in diesem Jahr auszugehen und bei Salaten (Kopfsalat, bunte Salate, Eissalat) wird eine gleichmäßige, wenn auch hitzebedingt kleinere Ernte erwartet.
Bewässerung treibt die Kosten in die Höhe
Im Obst- und Gemüsebau führte die Trockenheit auch 2019 zu höheren Kosten durch die Bewässerung der Kulturen. Durchschnittlich ist auch in diesem Jahr allein von Bewässerungskosten in Höhe von 10 Prozent des Umsatzes auszugehen. Rund 80 Prozent der Obst- und Gemüseflächen können bewässert werden.
Neben den regionalen Extremwetterereignissen haben viele Betriebe dieses Jahr erneut Probleme, genügend Saisonarbeitskräfte aus Polen, Rumänien und Bulgarien für die Einbringung der Ernte zu gewinnen. Die Politik ist weiterhin gefordert, mit wirksamen Abkommen für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften aus Drittlandstaaten die Situation zu entschärfen.
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