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DRV-Forum Tierische Veredelung

Ohne Genossenschaften läuft nichts!

An die Veränderungsbereitschaft der Verantwortlichen in den genossenschaftlichen Unternehmen hat der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, appelliert. Beim DRV-Forum „Tierische Veredlung“ in Berlin forderte Holzenkamp „Mut, eigene Wege zu gehen“.

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DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers, Martin Allmendinger, OMM Solutions GmbH, Robert Hoste, Universität Wageningen und DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp beim DRV-Forum tierische Veredelung.
DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers, Martin Allmendinger, OMM Solutions GmbH, Robert Hoste, Universität Wageningen und DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp beim DRV-Forum tierische Veredelung.DRV
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 „In turbulenten Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten findet das diesjährige DRV-Forum Tierische Veredelung statt. Schlagzeilen wie „Jamaika-Sondierungen gescheitert“, „Gift für Europa“ und „Brüssel wartet auf Deutschland“ umreißen den derzeitigen Schwebezustand. Zudem veröffentlicht die EU-Kommission heute ihre Mitteilung zur künftigen Ausgestaltung der GAP und die Branche fragt sich, was das für die Ausrichtung der Agrarpolitik bedeutet. Die verlässliche politische Stabilität der vernetzten Märkte, sowohl national als auch international, ist ins Wanken geraten. Unsere Herausforderungen sind also vielfältig, multifaktoriell und nicht isoliert, sondern ausschließlich gemeinsam entlang der Wertschöpfungskette zu bewältigen“, erklärte Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), vor 150 Verantwortlichen aus der genossenschaftlichen Milch-, Futter- sowie Vieh- und Fleischwirtschaft.

Vier Herausforderungen beachten

Für die genossenschaftlichen Unternehmen sieht der Präsident insbesondere vier große Herausforderungen: Die gesellschaftlichen Erwartungen, welche vorrangig durch die Konfrontation unterschiedlicher Treiber aus Politik, Nichtregierungsorganisationen, Lebensmittelhandel und Produzenten gekennzeichnet sind, sind eine große Baustelle. „Diese unterschiedlichen Anforderungen beeinflussen sich gegenseitig, sind äußerst komplex und führen zu einer Reihe von Zielkonflikten. Wir verzeichnen ein großes öffentliches Interesse an den Produktionsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Das erhöht den Druck auf die Landwirte und ihre Genossenschaften. Angesichts dieser Entwicklungen müssen wir vor allem auf wissenschaftliche Gutachten vertrauen und nicht auf Ideologien oder Emotionen, die spendenorientierte, dramatisierende NGOs verbreiten und leichtgläubige Verbraucher beeinflussen“, so der Präsident. „Wir brauchen eine proaktive Veränderungsbereitschaft und den Mut, eigene Wege zu gehen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und daraus Marktchancen zu entwickeln. Indem wir permanent die bisherige Praxis hinterfragen, schaffen wir Glaubwürdigkeit“, unterstrich Holzenkamp.

Herausforderung Nummer zwei sind die globalen Märkte und ihr Wachstum. Dabei ist die Lage anhaltend geprägt von Instabilität, Volatilität, Marktabschottung sowie Unsicherheiten in der internationalen Handelspolitik. „Unsere Genossenschaften bewegen sich zwischen Wochenmarkt und Weltmarkt. Wir erwarten weiterhin von der Politik, dass sie als Türöffner fungiert sowie phytosanitäre und veterinärrechtliche Hemmnisse im Drittlandexport zeitnah abbaut. Wir wollen die Marktstellung der Genossenschaften stärken und konsequent an schlagkräftigen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen arbeiten. Speziell für den Drittlandexport bedeutet dies, sich unabhängig machen von geopolitischen Ereignissen“, betonte Holzenkamp.

Als dritte Herausforderung sieht Holzenkamp die Digitalisierung, die bislang ungenutzte Erfolgspotenziale für die Landwirtschaft und den Agrarhandel bietet. „Die Raiffeisen-Genossenschaften dürfen den Einstieg und vor allem den Anschluss nicht verpassen; die Zeit drängt. Sie müssen den Wandel als Chance und nicht als Bedrohung verinnerlichen. Denn Wandel ist Fortschritt. Die Prozessketten zwischen Genossenschaft und Landwirtschaft werden durchgängig digitalisiert. So wird ein Mehrwert für alle Beteiligten generiert. Der DRV hat die notwendigen Initiativen für seine Mitgliedsunternehmen angestoßen, u. a. mit Online-Seminaren und der Konzeption einer B2B-Plattform. Nun gilt es, die Vielzahl an Raiffeisen-Initiativen zusammenzuführen. Wir werden alle Prozesse, auch innerbetrieblich weiter digitalisieren und die Synergien im genossenschaftlichen Verbund heben, um gemeinschaftliche Lösungen umzusetzen“, so Holzenkamp.

„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen Viele“, dieser geniale Gedanke Friedrich Wilhelm Raiffeisens, dessen 200. Geburtstag 2018 gefeiert wird, steht für die Wirtschaftskraft der Genossenschaften in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Wir bewegen uns auf gutem und stabilem Fundament, das es weiter zu entwickeln gilt. Unsere vierte große Herausforderung besteht nun darin, unsere Genossenschaften fit für die Zukunft zu machen. Dafür müssen wir unser Image aufwerten und unsere Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Wir haben allen Grund, selbstbewusst die wachsenden Herausforderungen anzugehen und proaktiv die ländlichen Räume zu gestalten. Wir geben die Pace vor. Denn ohne Genossen-schaften läuft nichts!“, unterstrich der DRV-Präsident.

Nutztierhaltung - Entwicklung aktiv gestalten

Um die gesellschaftliche Akzeptanz der modernen Nutztierhaltung zu erreichen, sehen wir eigenen Handlungsbedarf im Umgang mit Nutztieren. Aber wir benötigen auch dringend die Unterstützung von Politik und Tierärzteschaft. Die Mitglieder des DRV-Fachausschusses Vieh- und Fleischwirtschaft stimmten in ihrer Sitzung einem umfangreichen Maßnahmenplan zu. Sie fordern alle verantwortlichen Stellen zum gemeinsamen und zielgerichteten Handeln auf“, erklärt der Ausschussvorsitzende Rudolf Festag.

„Uneingeschränkte Unterstützung bei der Realisierung einer wirksamen Lokalanästhesie von Ferkeln“, fordert Festag. „Wir hören viele Bedenken gegenüber einzelnen Alternativen und kennen die Zulassungsanforderungen für die Umsetzung neuer Präparate. Schweden zeigt uns dagegen, wie es geht. Dort wird seit dem 1. Januar 2016 die lokale Anästhesie nach entsprechender Schulung der Anwender und mit Umwidmung für Lidocain-Präparate praktiziert, weil es politisch gewollt ist“, so der Vorsitzende.

Den deutschen Sauenhaltern bleiben nur noch 396 Tage, um ihren Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration zu realisieren. „Alle Wege sollten nutzbar sein und letztendlich entscheiden der Markt und die gesellschaftliche Akzeptanz, welche Methoden sich durchsetzen werden. Die lokale Anästhesie, die nach schwedischem Modell auch in Deutschland durch geschulte Landwirte möglich sein muss, gehört auf jeden Fall dazu“, unterstreicht Rudolf Festag.

In Bezug auf eine Studie über Tierschutzdefizite beim Umgang mit kranken und verletzten Tieren sehen die DRV-Fachausschuss-Mitglieder alle Beteiligten in der Pflicht. Sie müssen die Bestandsbetreuung überdenken und zwischenzeitlich entwickelte Nottötungsverfahren ohne bürokratische Hürden schnellstmöglich einführen. „Für uns ist es wichtig, dass wir den Tierhaltern auch Verfahren zur Verfügung stellen, die ohne Blutentzug anwendbar sind“, so der Ausschussvorsitzende. Landwirte müssen zudem unter Einbindung der bestandsbetreuenden Tierärzte gezielter entscheiden, ob eine Behandlungsmaßnahme beim Tier zielführend ist. „Dafür sind die Vermittlung der Sachkunde und vermutlich auch regelmäßige Schulungen der Tierhalter und Mitarbeiter in Nutztierbeständen unverzichtbar, um die notwendige Sensibilisierung zu erreichen“, so Rudolf Festag. „Gemeinsam mit Vertretern der Branche arbeiten wir an einem Leitfaden für Verfahren, Qualifikation, praktische Anwenderschulung und Transparenz der ordnungsgemäßen Durchführung.“

Export von Schlachttieren

Sehr klar hat sich der Fachausschuss zum Export von Schlachttieren in Drittlandstaaten positioniert. Die Mitglieder fordern den sofortigen Stopp von Langzeit-Transporten, auf denen Schlachttiere enormen Leiden und Schmerzen ausgesetzt sind. Diese DRV-Forderung ist allerdings nicht neu, denn die genossenschaftlichen Viehvermarkter und Schlachtunternehmen sprechen sich grundsätzlich für regionale Prozessketten aus. „Die Sachkunde sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildung ist für den Sektor der Vieh- und Fleischwirtschaft sehr wichtig, um auch dort die Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu verbessern. Gerne teilen wir unsere Expertise vor allem mit denjenigen nordafrikanischen Staaten, in denen inakzeptable Transport- und Schlachtpraktiken beobachtet werden, um dort nachhaltig den Umgang mit Nutztieren zu verbessern. Der Deutsche Raiffeisenverband hat sich in den letzten Jahren, u. a. auf der Internationalen Grünen Woche mit der Kampagne „Wir transportieren Tierschutz“, wiederholt und nachdrücklich für Transparenz und Aufklärung in diesem Bereich eingesetzt.

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