Perspektiven für die Tierhaltung von morgen
Die EuroTier und EnergyDecentral 2021 digital sind gestartet. Vom 9. bis 12. Februar präsentieren 1200 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen in Live-Videokonferenzen. Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat ein fachliches Rahmenprogramm mit neun parallelen Online-Videokanälen und 300 interaktiven Sendungen aufgestellt, das auf die Zukunftsthemen der globalen Tierhaltungsbranche eingeht. Die Besucher können bei Talkrunden und Diskussionsveranstaltungen interaktiv mitwirken.
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Bundesagrarministerin Julia Klöckner hatte in ihrer Eröffnungsrede am Dienstag dieser Woche Landwirtinnen und Landwirten in Deutschland Mut zugesprochen, die Landwirtschaft und Tierhaltung weiter mitzuentwickeln. „Die EuroTier ist eine Weltleitmesse. Und allen ist klar: Nicht nur Technik und Arbeitserleichter-ung sind die Themen der Zeit, ganz vorne stehen die gesellschaftliche Akzeptanz der Nutztierhaltung und das Tierwohl."
Für den Umbau der Branche seien jedoch Augenmaß und langfristige Perspektiven für die Tierhalter erforderlich. Denn wenn die Produktion aus Deutschland abwandere, sei nichts gewonnen. Im Gegenteil, machte Klöckner deutlich. "Weder Umwelt- noch Tierwohlfragen lösen wir, indem wir sie exportieren. Deshalb habe ich das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung ins Leben gerufen. Das sind Themen, die auch die EuroTier beschäftigen“, sagte die Ministerin in ihrem Grußwort, für das sie aus Bonn zugeschaltet war.
Umbaumaßnahmen werden gefördert
Daneben unterstütze man die Branche bei den notwendigen Umstellungen: bei der Umsetzung des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration, bei der Umsetzung des Verbots des Kükentötens und bei der Neuregelung des Kastenstandes in der Sauenhaltung. So hatte das BMEL im vergangenen Jahr ein neues Investitionsförderprogramm in Höhe von 300 Millionen Euro für den Stallumbau aufgelegt. Ein weiterer Punkt sei die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest. Ein Eintrag in den Hausschweinebestand müsse unbedingt verhindert werden, betonte Klöckner. Daran arbeiteten Bund und Länder unter Hochdruck.
„Darüber hinaus müssen wir auch an anderen Stellschrauben drehen: Wenn bei der Fleisch-Werbung des Handels nicht Qualität, sondern der Billigst-Preis im Vordergrund steht, wird das dem Wert und der Wertschöpfung des Produktes nicht gerecht. Hier muss sich viel ändern. Hier setzen wir an. Tierhalter, die gesamte Lebensmittelkette, aber auch Verbraucher sind gefragt, damit Erwartungen und Erfüllungen zusammenpassen. Innovative Entwicklungen helfen dabei. Und genau deshalb ist die EuroTier so wichtig.“
Wirtschaftlichkeit im Blick
„Die Vision einer wettbewerbsfähigen Tierhaltung in Europa ist in den letzten Monaten etwas klarer geworden – auch dank des Konzeptes aus dem Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Führung von Jochen Borchert“, hatte zuvor DLG-Präsident Hubertus Paetow in seiner Rede bekräftigt. Er formulierte zwei wegweisende Erkenntnisse für die Branche:
Die Tierhaltung in Deutschland und Europa werde auch in Zukunft anders aussehen als in vielen anderen Regionen der Welt. Höhere Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit erforderten andere technische Konzepte. Dies stelle die Hersteller und Landwirte vor große Herausforderungen. Es bringe aber auch Chancen für diejenigen, die die Trends frühzeitig aufnehmen und effizient umsetzen.
- Gerade wegen dieser Anforderungen wolle die Gesellschaft diese nachhaltige Tierhaltung im Inland erhalten, und dazu gehört auch der Erhalt der ökonomischen Perspektive im weltweiten Wettbewerb.
- Dies erfordere funktionierende Wertschöpfungsketten, die zumindest zeitweise auch mit politischen Instrumenten flankiert werden könnten und müssten. Ebenso sei auch eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten gefordert, um über die ganze Kette hinweg die Botschaft der nachhaltigen Erzeugung tierischer Produkte zu kommunizieren, wie es das Leitthema der EuroTier: „Farming in the food chain“ fokussiere.
In den nachfolgenden Diskussionsrunden debattierten Hubertus Paetow und Bernd Meerpohl vom Stallbauunternehmen Big Dutchman über Lösungen für den „Der Stall der Zukunft“. Ein solcher würde weltweit völlig unterschiedlich aussehen, zu unterschiedlich seien die lokalen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Stefanie Renz, Schweinehalterin vom Schirmerhof bei Deppenhausen (Alb-Donau-Kreis) und Gert van Beek, Präsident der European Pig Producers und Schweinehalter in den Niederlanden und Deutschland beleuchteten „Die Rolle des Landwirts in der Food Chain“ näher. Landwirtin Renz produziert für regionale Märkte, Gert van Beeks Betriebe sind eng in die Verarbeitungskette für den Mengenmarkt eingebunden.
Prof. Dr. med. vet. Claudia Klein, Institutsleiterin am Institut für Nutztiergenetik, Friedrich-Löffler-Institut in Neustadt und Michael Dörr, Milchviehhalter vom Karlshof im hessischen Roßdorf versuchten, die „Zielkonflikte bei Tier- und Umweltschutz“ aufzulösen. Hierzu müsse jedoch noch einiges an Forschung geleistet werden, um alle Konflikte zu lösen.
Organisatorische Hinweise:
Für den Besuch der „EuroTier digital“ wird ein internet- und multimediafähiger Computer mit Video- und Audiofunktionen benötigt. Der Zugang zur interaktiven Plattform https://eurotier.digital.dlg.org ist mit einem Ticket möglich, das für den Besuch an allen Tagen gilt. Es ist online unter www.eurotier.com erhältlich. Alle Informationen zum Fachprogramm und zur Anmeldung zur „EuroTier digital“ gibt es unter www.eurotier.com/de/fachprogramm.
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