Welche Ziele verfolgt die Kampagne gegen Lebensmittelpopulismus?
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Günter Tissen im Interview
Welche Ziele verfolgt die Kampagne gegen Lebensmittelpopulismus?
Günter Tissen ist Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ), Berlin. Die Zuckerwirtschaft wehrt sich gegen „Lebensmittelpopulismus“. Dazu macht sie mit ihrer neuen Kampagne für mehr Fakten in der Ernährungsdebatte mobil. Zugleich bekennt sie sich dazu, die Lebensmittelkette nachhaltig zu gestalten und Übergewicht zu bekämpfen. Dazu bedürfe es jedoch fundierter Lösungen. Wer Zucker zum „Sündenbock“ stemple, mache es sich zu einfach, erklärt Tissen im Interview mit BWagrar.
BWagrar: Herr Tissen, das Image von Zucker hat sich in den vergangenen Jahren im Zuge der Diskussion um gesundes Essen zunehmend verschlechtert. Ist es in dieser Situation erfolgversprechend, wenn die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) als Interessenverband der Zuckerwirtschaft gegen „Lebensmittelpopulismus“ mobil macht?
Tissen: Ja, gerade jetzt ist eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig. Denn es werden Falschannahmen gegen Zucker und Halbwissen verbreitet.
„Dieser Populismus gegen Rübenzucker trifft ein nachhaltiges, regionales Produkt. Deshalb wollen wir dem Populismus mit Fakten Grenzen aufzeigen.“
Allzu gerne machen Nichtregierungsorganisationen (NGO) oder Unternehmen „Industriezucker“ zum Sündenbock, um auf ihr Geschäftsmodell und ihr Produkt aufmerksam zu machen. Oft zählen Klicks durch plakative Überschriften mehr als eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung. Das können und wollen wir nicht dulden.
Dieser Populismus gegen Rübenzucker trifft ein nachhaltiges, regionales Produkt. Deshalb wollen wir dem Populismus mit Fakten Grenzen aufzeigen.
BWagrar: Welche Ziele verfolgt Ihre jetzt gestartete Kampagne gegen „Lebensmittelpopulismus“ und für mehr Fakten in der Ernährungsdebatte?
„Wir wollen die häufigsten Falschannahmen zu unserem Rübenzucker enttarnen und hinterlegen dies mit einem Faktencheck.“
Tissen: Wir wollen die häufigsten Falschannahmen zu unserem Rübenzucker enttarnen und hinterlegen dies mit einem Faktencheck. Wir stellen uns hinter unser Produkt und damit auch hinter die vielen tausend Menschen, die mit dem Anbau und der Verarbeitung von Zuckerrüben ihren Lebensunterhalt verdienen.
Außerdem stehen wir mit der Bekämpfung von Übergewicht und mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelkette vor gleich zwei großen Aufgaben. Bei aller Verschiedenheit der Interessen können Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diese nur gemeinsam lösen. Dabei brauchen wir die Bereitschaft für eine faktenbasierte Debatte. Mit der Kampagne tragen wir unseren Teil dazu bei.
„Wer nur auf Zucker blickt, verliert aus dem Auge, was wirklich wichtig ist: Ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.“
BWagrar: Haben oder sehen Sie Verbündete für Ihre Kampagne auch außerhalb der Zuckerbranche?
Tissen: Verbündete sehe ich bei allen Menschen, die ein Interesse an einer sachlichen Ernährungsdebatte gegen Übergewicht haben. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Studienlage dazu. Und die sagt glasklar: Beim Körpergewicht kommt es auf die Kalorienbilanz an. Wer nur auf Zucker schaut, verliert aus dem Auge, was wirklich wichtig ist: Eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung, zu der traditionell auch Zucker gehört, und ausreichend Bewegung.
Weitere Verbündete sehe ich bei denen, die mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelkette erreichen wollen. Denn unser Rübenzucker leistet viel für die Umwelt. Der Anbau von Rüben ist gut für Böden, Artenvielfalt und Biodiversität. Die Rübe ist ein Produkt aus unserer Region. Nicht zuletzt ist sie Ausgangsprodukt für Bioethanol, Biogas und weitere Produkte aus erneuerbaren Rohstoffen. Das hilft, fossile Rohstoffe zu ersetzen. All das spricht dafür, die Zuckerrübe weiter in der Fruchtfolge zu halten.
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