
„Wir sind Hansen sehr dankbar“
Norbert Lins, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Europaparlament, spricht über die Reformvorschläge der Europäischen Kommission zum Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) sowie zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und die Ideen zu Kappung der Direktbeihilfen. Er sitzt seit 2014 für die CDU im Europaparlament.
von age erschienen am 25.08.2025Lassen Sie uns zum Thema gekoppelte Beihilfen kommen. Die Kommission möchte den maximalen Anteil auf 20 Prozent anheben. In Deutschland ist man, von wenigen Ausnahmen in der Tierhaltung abgesehen, im Vergleich zu vielen anderen Ländern der EU skeptisch. Befürchten Sie Wettbewerbsnachteile für die deutschen Bauern? Lins: In Deutschland haben wir traditionell das Ansinnen, Kopplungsbeihilfen zu senken, und dafür würde ich mich starkmachen. Ich würde unterscheiden zwischen Kopplungsbeihilfen bei Marktfrüchten, die ich eher ablehne, und beispielsweise Kopplungshilfen in der extensiven Weidetierhaltung. Letztere können richtig gestaltet durchaus Sinn ergeben. Ich denke nicht, dass es durch Mutterkuh-, Schaf- oder Ziegenhaltung zu messbaren Marktverzerrungen kommen wird. Ökologisch hätten diese Haltungsformen aber einige Vorteile. Nun sollen die Mitgliedstaaten ihre Agrarpolitiken sehr viel eigenständiger gestalten können. Der Anstieg der möglichen Kopplungsbeihilfen ist dafür ein Beispiel. Befürchten Sie eine weitere Renationalisierung und damit drohende Wettbewerbsverzerrungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik? Lins: Die Gefahr besteht. Daher ist es ganz wichtig, dass in der glücklicherweise eigenständigen GAP-Verordnung das Gemeinsame durch den Rat und das Parlament stärker herausgearbeitet wird. Wir als Parlament werden auf die unterschiedlichen Aspekte wie die weitgehende Wahrung gemeinsamer Standards oder einheitlichere Agrarumweltpolitiken pochen. Trotzdem steht es außer Frage, dass nicht jedes Detail in Brüssel oder Straßburg geregelt wird. Das „G“ in der GAP ist trotzdem wichtig. Befürchten Sie, als EU-Abgeordneter an Einfluss zu verlieren, wenn künftig die Mitgliedstaaten viele Aspekte individuell selbst entscheiden? Lins: Die Gefahr nehme ich sehr erst. Zumal wir die einzige direktgewählte EU-Institution sind. Es gibt aber entscheidende Möglichkeiten, das Gemeinsame und damit den Einfluss des Parlaments wieder zu stärken. Es ist bereits in der jetzigen GAP mit den nationalen Strategieplänen so, dass manches an Kompetenzen zu den Mitgliedstaaten und zur Kommission gegangen ist und wir an Einfluss verloren haben. Sehen Sie Chancen für eine stärkere anreizorientierte Politik? Lins: Es wird wohl etwas kompliziert, das in der gesamten EU durchzusetzen. Aber ich bin als Baden-Württemberger sehr dafür, dass wir in der Agrarumweltpolitik den Bauern die besagten Anreize geben können. Mein Heimatbundesland sowie Bayern und Österreich gehören nach meiner Einschätzung EU-weit zu den Vorbildern. Laut dem MFR-Vorschlag soll die rechtsstaatliche Vergabe von EU-Geldern besser durchgesetzt werden. Haben Sie die Hoffnung, dass sich Betrügereien, die in manchen Mitgliedstaaten wie der Slowakei bis in höchste politische Kreise reicht, eindämmen lässt? Lins: Hier muss sicher noch einiges passieren. Es ist eine komplexe Angelegenheit, aber eine Aufgabe für die europäischen Institutionen, und zwar unabhängig von einer potenziell steigenden Renationalisierung. Die GAP ist und bleibt eine europäische Politik. Schließlich wird Geld der europäischen Steuerzahler zur Verfügung gestellt. Damit ist es auch Aufgabe von uns und anderen Institutionen wie der Kommission, die Vergabe zu kontrollieren und sicherzustellen, dass rechtmäßig ausgezahlt wird. Ich persönlich bin meinen Kollegen Monika Hohlmeier und Tomáš Zdechovský aus dem Haushaltskontrollausschuss sehr dankbar für ihre engagierte Aufklärungsarbeit zu diesen Vorgängen. Zdechovský kennt sich als Tscheche auch in der Slowakei gut aus und hat viel aufgedeckt. Jetzt steht er deswegen sogar unter Polizeischutz. Er lässt sich aber nicht aufhalten.
Es steht außer Frage, dass nicht jedes Detail in Brüssel oder Straßburg geregelt wird. Das „G“ in der GAP ist trotzdem wichtig. Norbert Lins








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