Beim späten Legen aufpassen
Die letzten Kartoffeln für diese Saison werden auf spät abtrocknenden Flächen gelegt. Zudem schädigte in einigen Regionen Starkregen die Felder so, dass ein zweites Mal Kartoffeln in den Boden müssen. Hier erfahren Sie, worauf es beim späten Legen ankommt.
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Physiologisches Alter
Zwischen dem ersten und zweiten Liefertermin ist das Pflanzgut gealtert, auch wenn es in einem Kühllager untergebracht war. Physiologisch älteres Pflanzgut läuft zügiger auf, beginnt jedoch auch früher abzureifen. Zusammen mit dem späten Legetermin ergibt sich so insgesamt eine verkürzte Wachstumszeit, die keine Höchsterträge erwarten lässt. Darüber hinaus nimmt die Knollenzahl pro Pflanze tendenziell ab, das Erntegut wird grobfallender.
Bei nicht optimal gelagertem Pflanzgut, das eventuell nochmals abgekeimt wurde, ist das physiologische Alter deutlich weiter fortgeschritten. Die Knollen verlieren an Triebkraft und das Risiko einer Überalterung steigt Diese kann zu Auflaufproblemen oder dem Auftreten von Knöllchensucht führen.
Tageslänge
Ursprünglich waren Kartoffeln Kurztagpflanzen, weshalb auch neuen Sorten in mehr oder weniger starkem Umfang auf die zunehmende Tageslänge bei spätem Legen reagieren. Dies spiegelt sich in einer längeren Krautwachstumsphase und einem späteren sowie geringeren Knollenansatz wider. Zum Teil bilden die Pflanzen vermehrt wilde Stolonen, die keine Knollen ansetzen, sondern aus dem Damm herauswachsen und neue Blätter bilden.
Verwertungsrichtung
Veredlungskartoffeln zielen auf große, möglichst gleichmäßig wachsende Knollen. Diese sollten weitgehend ausgereift sein, um die vollständige chemische Reife mit wenigen reduzierenden Zuckern eine gute Verarbeitungseignung sicherzustellen. Das kann bei einem späten Legetermin jedoch nur durch einen „goldenen“ Herbst erreicht werden.
Deutlich geringer sind die Auswirkungen eines späten Legetermins bei Speisekartoffeln, da das Wachstum der Pflanzen im Herbst zumeist durch eine gezielte Krautminderung begrenzt wird, um nicht zu viele Übergrößen zu erhalten. Der tendenziell geringere Knollenansatz führt auf der einen Seite zu einem schnellen Wachstum der einzelnen Knollen. Auf der anderen Seite fehlt aber die Stückzahl, um ein hohes Ertragsniveau zu erreichen. Bei Pflanzkartoffeln sind eine Vielzahl mittelgroßer Knollen das Ziel, so dass die Länge der Wachstumsphase eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die insgesamt zurückgehende Knollenzahl pro Staude sollte jedoch über eine höhere Bestandesdichte, also einen verringerten Legeabstand, ausgeglichen werden.
Bei der praktischen Umsetzung ist jedoch in allen Fällen darauf zu achten, dass der Boden ausreichend abgetrocknet und das Pflanzgut, insbesondere aus Kühllagern, über einen ausreichenden Wärmestoß auf den sofortigen Wachstumsstart vorbereitet ist.


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