Die Wahrheit liegt im Boden
"Graben Sie, damit Sie wissen, was im Lager zu tun ist", rät Mark Mitschke vom Beratungsdienst Kartoffelanbau Heilbronn. Nur so wüssten Erzeuger, wann der richtige Zeitpunkt zur Ernte gekommen ist und welche Kapazitäten sie vorhalten müssen.
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Wie groß muss das Lager sein? Zu welchem Datum soll der Roder übers Feld rollen? Die Probe-Ernte einiger Pflanzen gibt Aufschluss. „Von Anrufen beim Beratungsdienst weiß ich, dass viele Erzeuger um die Wichtigkeit des Timings wissen, aber nur wenige tatsächlich graben und testen“, sagt Mitschke.
Reife prüfen
Eine Probe umfasst das Schälen und Schneiden der Knollen. Hier sollten Erzeuger vor allem darauf achten, ob der Kern noch wässrig ist. Kartoffeln mit wässrigem Kern sollten noch etwas reifen. Nach dem Durchschneiden einer Knolle sind zudem weiße Ränder im Querschnitt sichtbar. "Diese sollten kleiner als drei bis vier Millimeter sein, wenn es auf die Reife zugeht", erklärt der Berater. Eine Probe von 100 Knollen sei ideal, da Anbauer so gleich über die Prozente Bescheid wüssten.
Mit einem Salzbad lasse sich nach Mitschkes Aussage einfach der Stärkegehalt bestimmen. Die Salzmenge im Wasser bestimmt den Stärkegehalt, mit dem Knollen auf den Grund oder an die Wasseroberfläche selektiert werden. Knollen, deren Stärkegehalt den eingestellten Wert überschreitet, sinken ab. Knollen mit zu wenig Stärke schwimmen dagegen oben. So lasse sich laut Mitschke einfach bestimmen, ob die geprüften Kartoffeln den gewünschten Stärkegehalt erreicht haben: „Stärketabellen dazu gibt es im Internet oder auch im Rundschreiben des Beratungsdientes.“
Mit dieser Menge müssen Sie rechnen
Eine Ertragserhebung im Vorfeld ergebe Sinn, um genug Lagerplatz vorzuhalten. "Prüfen Sie den Ertrag an mehreren Orten - der Ertrag zwischen einzelnen Pflanzen kann große Sprünge machen", rät Mitschke. Mindestens zehnmal 1,33 Meter solle ein Erzeuger dazu roden. Das entspricht nach Aussage des Experten bei Dämmen von 75 Zentimeter Abstand einem Quadratmeter. Mehr Proben liefern ein genaueres Ergebnis: „Unter zehn Quadratmetern läuft nichts“, sagt er.
Fäule sei ein weites Indiz für den Aufwand, der im Lager auf die Erzeuger zukommt. Mit bis zu zehn Prozent Braunfäule komme die Lüftung im Lager noch zurecht, darüber werde es allerdings kritisch. Natürlich müsse es sich um ein Lüftungslager handeln, um die Fäule einzudämmen.
Hat Schwarzbeinigkeit (Erwinia carotovora) die Knollen befallen? Entsprechende Chargen sollten nach Aussage des Fachmanns im Lager gut zugänglich sein, damit bei Bedarf rasch vermarktet werden kann. Erwinia sei schwerer trockenzulüften als Braunfäule. Zwei bis drei Prozent Erwinia könne eine gute Lüftung noch trocknen. Vorsicht: Ohne optimale Lüftung verbreite sich Erwinia explosionsartig. Betroffene Knollen seien laut Mitschke häufig in Spurrinnen und Senken zu finden, wo Wasser steht.
Schlagstellen vermeiden
Einwandfreie Knollen lassen aber noch nicht auf eine problemlose Lagerung schließen. "Damit die Ernte ohne Schlagstellen und Anschnitte ins Lager kommt, muss die Rodetechnik stimmen", gibt Mitschke zu Bedenken. Besonders drei Dinge seien häufig eine Gefahr:
- Knollen springen auf dem Band. Hier die Bandgeschwindigkeit richtig einstellen, bis zu zehn Prozent Erde als Puffer mitlaufen lassen und Fallstufen vermeiden.
- Beim Verladen seien Fallstufen über 20 Zentimeter eine Gefahr und verursachen Schlagstellen.
- Defekt am Igelband des Vollernters: Ist das Band beschädigt, können einzelne Stacheln die Knollen anstechen.
Druckstellen können in zu hohen Lagerchargen bei gleichzeitig starker Lüftung entstehen. Lagerhöhen von mehr als 1,40 Meter können bei nicht ganz ausgereiften Kartoffeln (siehe oben: weißer Rand) und zu starker Lüftung zu Druckstellen führen. Vor allem untere Bereiche im Schüttlager seien gefährdet. „Druckstellen treten meistens nach Weihnachten auf“, kommentiert der Berater.
Spione vergraben
Nicht alle Schäden an Lagerkartoffeln sind sofort sichtbar. Manchmal weißen besonders hoch oder tief gelagerte Kartoffeln Schäden auf. „Sorgen Sie für Spione im Kartoffellager“, sagt Mitschke. Spione sind Säcke mit 20 Kilogramm Kartoffeln, die an verschiedenen Stellen im Lager in Großkisten mitlagern.
Ein Spion gebe Auskunft über Gewichtsverluste, da die Kisten anfangs exakt 20 Kilogramm wiegen. Zudem sehe der Erzeuger, an welcher Stelle des Lagers die Luftqualität unzureichend ist. "Diese Methode ist günstig und viel genauer, als Schäden nur übers Auge zu peilen", sagt Mitschke abschließend.


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