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Mitgliederversammlung der Rübenanbauer

Zeitenwende am Zuckermarkt

Die im Verband baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer (VbwZ) organisierten Rübenanbauer trafen sich zur Mitgliederversammlung am 18. September 2018 in der Genossenschaftskellerei Heilbronn. Bei Zucker ist die Zeitenwende eingeläutet. Die EU-Zuckermarktordnung ist seit Oktober 2017 Geschichte. Weltweit ist Druck im Markt, sind die Preise schlecht. Ob die Branche den auf Wettbewerbskraft setzenden Kurs künftig weiterfährt, soll die laufende Prüfung ergeben.
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Verdiente Rübenanbauer wurden bei der Mitgliederversammlung des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer (VbwZ) am 18. September 2018 in der Genossenschaftskellerei Heilbronn für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement um die Anliegen des Zuckerrübenanbaus ausgezeichnet. Die Ehrung nahmen Vorsitzender Joachim Rukwied (rechts) und Geschäftsführer Harald Wetzler (links) vor. Karl Bär (2. von rechts) aus Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) erhielt für 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Vertrauensmann die Ehrennadel in Silber. Friedrich Frenz (2. von links) aus Ilshofen (Landkreis Schwäbisch Hall) und Manfred Läpple aus Ilsfeld (Landkreis Heilbronn) erhielten die Ehrennadel in Bronze. Für Läpple nahm dessen Sohn Markus die Ehrung entgegen.
Verdiente Rübenanbauer wurden bei der Mitgliederversammlung des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer (VbwZ) am 18. September 2018 in der Genossenschaftskellerei Heilbronn für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement um die Anliegen des Zuckerrübenanbaus ausgezeichnet. Die Ehrung nahmen Vorsitzender Joachim Rukwied (rechts) und Geschäftsführer Harald Wetzler (links) vor. Karl Bär (2. von rechts) aus Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) erhielt für 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Vertrauensmann die Ehrennadel in Silber. Friedrich Frenz (2. von links) aus Ilshofen (Landkreis Schwäbisch Hall) und Manfred Läpple aus Ilsfeld (Landkreis Heilbronn) erhielten die Ehrennadel in Bronze. Für Läpple nahm dessen Sohn Markus die Ehrung entgegen. Krehl
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Heilbronn, 18. September 2018

Zeitenwende am Zuckermarkt

Bei Zucker ist die Zeitenwende eingeläutet. Die EU-Zuckermarktordnung ist seit Oktober 2017 Geschichte. Weltweit ist Druck im Markt, sind die Preise schlecht. Ob die Branche den auf Wettbewerbskraft setzenden Kurs künftig weiterfährt, soll die laufende Prüfung ergeben. Das wurde bei der Mitgliederversammlung des Verbandes baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer (VbwZ) am 18. September 2018 in der Genossenschaftskellerei Heilbronn deutlich.

Rukwied: Herausforderungen gemeinsam angehen

Vorsitzender Joachim Rukwied analysierte auf der VbwZ-Mitgliederversammlung  Lage und Aussichten im Zuckerrübenanbau. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse konnten die EU-Zuckerquoten – ähnlich wie bei anderen Produkten – nicht gehalten werden, erinnert er. Die Botschaft aus wichtigen Produktionsländern war seinerzeit eindeutig: Sie setzten auf Expansion und Wettbewerb.“

Prüfauftrag läuft

Weltweit besteht „massiver Preisdruck, insbesondere in Kerneuropa, gerade in den wettbewerbsstärksten Regionen“, erläutert Rukwied. Die Südzucker, die mehrheitlich den Landwirten gehört, kämpft im Geschäftsbereich Zucker mit Verlusten. „Wir können die Herausforderungen nur gemeinsam schaffen“, betont der Vorsitzende. „Wir müssen den eingeschlagenen Kurs überprüfen“, gibt er ein deutliches Signal.

Der Prüfauftrag läuft. Die Branche setzt in Deutschland noch auf ihre Wettbewerbskraft, wenn auch die Verzerrungen mit der Koppelung der Prämien in vielen EU-Mitgliedstaaten schmerzen. Die Kontrahierung für 2019 erfolgte nochmals auf Höhe der Vorjahre. So setzt die Branche auch im zweiten Jahr nach dem Ende der Zuckerquoten auf ihre Wettbewerbskraft. Ebenso soll im dritten Jahr der eingeschlagene Weg weitergegangen werden. „Wir stellen uns dem Markt“, betont Rukwied. Nach Abschluss der laufenden Prüfung über den künftigen Kurs gelte es jedoch, in Abhängigkeit von den Prüfergebnissen Konsequenzen zu ziehen.

Zucker in der Kritik

Eingangs seines Berichts war Rukwied auf die in der Gesellschaft laufende Diskussion über Zucker in Lebensmitteln eingegangen. Zucker werde wie beispielsweise Fett zunehmend kritisch gesehen, insbesondere auch in der Politik. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung seien gute Voraussetzungen für ein langes Leben, setzt der Vorsitzende dem entgegen.

Ähnlich heftig wird der chemische Pflanzenschutz in der Bevölkerung, insbesondere in Naturschutzverbänden, und in der Politik diskutiert. Rukwied, der selbst aus der eigenen Praxis Vorzüge und Nachteile der Hacke im Ackerbau kennt, bringt es auf den Punkt: „Ohne Pflanzenschutz können wir Ackerbau nicht wirtschaftlich betreiben, konventionell wie Bio.“


Im Spannungsfeld

„Wir Zuckerrübenanbauer halten zusammen“, wünscht sich Alois Gerig für alle Landwirte und die gesamte Branche. Manches Ausstechen wie bei der Pacht sei kontraproduktiv. „Wir werden den Strukturwandel nicht aufhalten können“, sieht der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Bundestag die Entwicklung realistisch. „Aber es sollte möglich sein, kleinere anders als Großbetriebe zu fördern“, betont Gerig, dem „Landgrabbing ein Dorn im Auge“ ist. Fördermittel „mit der Gießkanne zu verteilen“, sei der Gesellschaft nicht zu erklären. Notwendig sei vielmehr ein „möglichst faires System, dass den Strukturwandel in Deutschland ein Stück weit eindämmt“.

Für „elementar wichtig“ hält er starke ländliche Räume, um die Großstädte zu entlasten. „Wir brauchen mehr Wohnraum, den Ausbau von Straße, Schiene und schnelles Internet“, zählt er auf.

Wichtiges Sicherheitsnetz

Die 1968 in der EU eingeführte Zuckermarktordnung wäre in diesem Jahr 50 Jahre geworden. Doch sie wurde vergangenes Jahr abgeschafft, ebenso beispielsweise das Branntweinmonopol, erwähnt Gerig, ehrenamtlich 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Klein- und Obstbrenner. „Das müssen wir akzeptieren. Es ist jedoch wichtig, am Markt ein Sicherheitsnetz durch Zölle für agrarische Produkte zu schaffen“. Das sei gerade eine große Herausforderung gegenüber Staaten wie Brasilien, Argentinien oder Neuseeland. Dafür will sich Gerig bei den laufenden Gesprächen über Freihandelsabkommen einsetzen.

Ungleiche Mittel

„Thema ist nicht der Wettbewerb, sondern der Überschuss in Europa. So müssen wir exportieren und die Preise tendieren nach unten“, analysiert Dr. Rainer Schechter. „Wir kämpfen in Europa mit ungleichen Mitteln“, bemängelt der Leiter des Geschäftsbereiches Zucker/Rüben der Südzucker AG in Mannheim. Er verweist auf die Kopplung der Prämien in zahlreichen Mitgliedstaaten der EU und die daraus resultierenden Wettbewerbsverzerrungen.

Nachteilig für die hiesigen Erzeuger sei zudem die „sehr restriktive“ Zulassungspraxis im Pflanzenschutz in Europa besonders in Deutschland im Vergleich zur übrigen Welt. Die in Ländern wie Slowakei,Tschechien und Polen praktizierten Notfallzulassungen wünsche er sich auch für Deutschland.

Einstimmige Entlastung

VbwZ-Geschäftsführer Harald Wetzler hatte zuvor den Kassen- und Prüfungsbericht vorgetragen. Vorstand und Geschäftsführung des Rübenanbauerverbandes wurden einstimmig entlastet.

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