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Landessortenversuche 2025

Öko-Dinkel im Sortentest

Die Landessortenversuche im ökologischen Landbau in Baden-Württemberg lieferten an fünf wertbaren Standorten belastbare Ergebnisse zu Ertrag, Gesundheit und Qualität der geprüften Sorten. Insgesamt führten günstige Witterungsbedingungen zu hohen Kornerträgen, während die Qualitätsparameter leicht unter dem Vorjahresniveau lagen.

von Barbara Orth, LTZ Augustenberg erschienen am 05.01.2026
Die Kornerträge des Öko-Dinkels lagen 2025 deutlich über dem Vorjahr. © Barbara Orth, LTZ Augustenberg
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Nach dem Auf und Ab im Öko-Dinkelmarkt in den vergangenen Jahren passten dieses Jahr Angebot und Nachfrage wieder gut zusammen. In diesem Jahr stieg die Vermehrungsfläche beim Dinkel wieder deutlich. Im Jahr 2024 betrug die gesamte Vermehrungsfläche etwa 1240 ha. Hingegen wurden 2025 laut Bundessortenamt auf 1505 ha konventionelles Saatgut und auf 1304 ha ökologisches Saatgut erfolgreich vermehrt. In Baden-Württemberg ist der Anteil an der Öko-Vermehrungsfläche mit 151 ha deutlich geringer im Vergleich zu den 780 ha für konventionelle Saatgutvermehrung.

Die Sortenprüfungen im ökologischen Landbau zu Dinkel finden in Baden-Württemberg an fünf Standorten statt. Diese sind in Karlsruhe-Grötzingen (Betreuung LTZ Augustenberg), Stuttgart-Hohenheim (Betreuung Universität Hohenheim), Crailsheim (Betreuung Demeter-Beratung), Maßhalderbuch (Betreuung Landratsamt Reutlingen) und in Ochsenhausen (Betreuung Landratsamt Biberach). In diesem Jahr waren alle fünf Standorte wertbar. An allen Standorten wurden 13 Sorten geprüft, zwei davon kamen neu in die Prüfung.

Anbaubedingungen und Krankheitsdruck bei Dinkel

Die Aussaat erfolgte zwischen dem 17. und 29. Oktober 2024. Die Pflanzen gingen mit sehr geringen bis geringen Mängeln (Boniturnote 1 bis 2,8) in die Vegetationspause. Im Frühjahr zeigten die Pflanzen eine mittlere bis starke Massebildung in der Jugendentwicklung. Das Ährenschieben startete in Karlsruhe-Grötzingen am 20. Mai und dauerte bis zum 30. Mai. Der späteste Standort ist Maßhalderbuch, wo das Ährenschieben vom 7. Juni bis 18. Juni stattfand. Lager trat nur in Karlsruhe-Grötzingen auf und auch nur bei einigen Sorten (siehe Tabelle Pflanzenbeobachtungen). Geerntet wurde dann zwischen dem 11. Juli (Karlsruhe-Grötzingen) und dem 12. August (Maßhalderbuch).

Der Krankheitsdruck war durch das trockene Frühjahr niedrig. So wurde Drechslera-Tritici-Repentis in nur sehr geringem bis geringem Maß in Ochsenhausen, Septoria mit geringer Ausprägung in Maßhalderbuch und Blattseptoria mit sehr geringer bis mittlerer Stärke in Crailsheim und Karlsruhe-Grötzingen verzeichnet. Einzig Braunrost trat an allen Standorten auf, wobei in Ochsenhausen nur wenige Sorten betroffen waren und auch nur im geringen Maße. Am deutlichsten trat Braunrost in Karlsruhe-Grötzingen auf mit einer mittleren Boniturnote von 5,7 und einer Spannweite von 4,3 bei Alliente bis 8,0 bei Alboretto.

© Barbara Orth, LTZ Augustenberg

Erträge und Qualitätsmerkmale der Dinkelsorten

Die Kornerträge lagen 2025 deutlich über dem Vorjahr 2024 (36,4 dt/ha). So wurden im Durchschnitt über alle Standorte 62,7 dt/ha erreicht. Spitzenerträge wurden in Maßhalderbuch geerntet mit durchschnittlich 74,3 dt/ha, welche auf die optimalen Wetterbedingungen und das vorangegangene zweijährige Kleegras zurückzuführen sind.

Die Sorte Alliente erreichte dieses Jahr über alle Standorte die höchsten Kornerträge (110,1 Prozent relativ), gefolgt von Gletscher (104,7 Prozent relativ) und Conforte (104,1 Prozent relativ). In der fünfjährigen Auswertung über das Anbaugebiet Süddeutschland liegen ebenfalls Conforte (107,8 Prozent relativ) und Alliente (107,1 Prozent relativ) vorne beim Kornertrag.

Die Qualitäten hingegen liegen leicht unter denen des Vorjahres 2024. So wurde im Durchschnitt über alle Sorten und Standorte ein Feuchtkleber von 24,9 Prozent erreicht. Die Feuchtklebergehalte reichten von durchschnittlich 21,7 Prozent (Ochsenhausen) über 24,3 Prozent (Hohenheim) und 24,9 Prozent (Maßhalderbuch) bis zu 26,7 Prozent (Karlsruhe-Grötzingen) und 26,9 Prozent (Crailsheim). In Bezug auf die Sorten lagen Noricum, Alboretto und Albertino am unteren Ende des Feuchtklebergehalts (21,5, 22,3 und 22,5 Prozent). Die höchsten Feuchtklebergehalte erreichten Oberkulmer Rotkorn (29,9 Prozent) gefolgt von Zollernspelz (27,8 Prozent) und Asturin (27,1 Prozent).

In Ochsenhausen gab es vor der Ernte eine nass-kühle Phase, die zwar zu keinem sichtbaren Auswuchs führte, sich jedoch in der Fallzahl widerspiegelt, welche bei durchschnittlich 108 Sekunden lag. Am stabilsten zeigte sich in Ochsenhausen die Sorte Gletscher mit 286 Sekunden. An den anderen Standorten waren die Fallzahlen recht stabil. In Maßhalderbuch lagen die Fallzahlen bei durchschnittlich 336 Sekunden, auffällig war die Sorte Noricum, die nur 91 Sekunden erreichte. Die höchsten Fallzahlen wurden in Karlsruhe-Grötzingen mit durchschnittlich 427 Sekunden erreicht.

© Barbara Orth, LTZ Augustenberg

Sortensteckbriefe

Albertino: Zulassung 2019. Gute Gelbrostresistenz, in diesem Jahr die Sorte mit höchstem Braunrostbefall (4,9). Mittellang, gut standfest. 2025 genau den durchschnittlichen Ertrag (rel. 100) erreicht. Beim Feuchtklebergehalt und Tausendkerngewicht (TKM) unter dem Versuchsmittel. Züchter: Alter-Seeds, Pflanzenzucht und Versuchswesen.

Alboretto: Zulassung 2022. Im dritten Versuchsjahr Ertrag von rel. 101,7. Mittlerer Braunrostbefall (4,7). Bei den Qualitäten im unteren Bereich. Züchter: Alter-Seeds, Pflanzenzucht und Versuchswesen.

Alliente: Zulassung 2024. Kurzer, Standfester Dinkel mit guter Gelb- und Braunrostresistenz, im Versuchsjahr geringer bis mittlerer Blattseptoria Befall. Im zweiten Versuchsjahr ertraglich deutlich über dem Durchschnitt (rel. 110,1), hohe TKM 44,3 g, Feuchtkleber unterdurchschnittlich. Züchter: Alter-Seeds, Pflanzenzucht und Versuchswesen.

Asturin: Zulassung 2022 Österreich. Frühreifer Rotkorntyp. Eignet sich laut Züchter sowohl für Standorte mit Wasserstress bzw. geringem Nährstoffpotential, als auch für Standorte mit einer mittleren bis hohen Ertragserwartung. Im zeiten Versuchsjahr überdurchschnittlich beim Ertrag mit rel. 102,5 über alle Standorte. Qualitativ liegt sie deutlich mit 27,1 % Feuchtkleber, über dem Versuchsmittel, hat jedoch den höchsten Spelzanteil mit 34,4 %. Züchter/Vertrieb: Getreidezüchtung Peter Kunz/ Gut Mönchhof KG.

Conforte: Zulassung 2024. Spätreifer, langer Typ bei geringer bis mittlerer Lagerneigung, mit ausgewogener Blattgesundheit. Erreicht bei den Erträgen rel. 104,1 %. Mit 44,3 g TKM über dem Versuchsdurchschnitt, der Feuchtklebergehalt lag leicht unter dem Durchschnitt. Züchter/Vertrieb: Südwestsaat/Saaten-Union.

Gletscher: Zulassung 2018, Schweiz. Weißkorntyp. Dieses Jahr mit rel. 104,7 % zweitbeste Sorte über alle Standorte beim Ertrag. Etwas kürzer mit sehr guter Standfestigkeit. Gute Blattgesundheit, speziell gute Gelbrostresistenz. Qualitativ leicht über dem Durchschnitt. Züchter/Vertrieb: Getreidezüchtung Peter Kunz/ Gut Mönchhof KG und Bioland Handelsgesellschaft.

Noricum: Neu im Versuch. Zulassung 2022, Österreich. Lange Sorte, die relativ standfest ist. Toleranz gegen Gelbrost. Neigt zu Auswuchs, was sich an den Standorten in Maßhalderbuch (91 s) und Ochsenhausen (62 s) in der Fallzahl zeigt. Qualitäten lagen unter dem Durchschnitt bei leicht überdurchschnittlichen Erträgen. Züchter/Vertrieb: Pflanzenzucht Oberlimpurg.

Oberkulmer Rotkorn: Zulassung 1998. Traditioneller Dinkeltyp, mittlere Reife, sehr lang mit Neigung zu Lager auf besseren Standorten. Gute Winterhärte, sehr schnelle Jugendentwicklung. Geringe bis mittlere Anfälligkeit für Gelbrost. Die höchsten Rohprotein- und Kleberwerte, aber sehr weicher Kleber. Ertraglich mittlerweile überholt (rel. 85,2). In Baden-Württemberg nach wie vor eine Sorte mit großer Bedeutung. Vertrieb: Saaten-Union.

Paracelsus: Neu im Versuch. Zulassung 2022, Österreich. Lange bis sehr lange Sorte mit mittlerer bis starker Lageranfälligkeit. Erreichte beim Ertrag das Versuchsmittel, lag bei den Qualitäten unter dem Versuchsmittel. Züchter/Vertrieb: Saatzucht Donau/ Hauptsaaten.

Polkura: Sorte aus der Schweiz. Frühreife, mittellange Sorte mit guter Standfestigkeit, sehr gesund nur beim Braunrost (4,0) leicht über dem Versuchsmittel (3,8). Ertraglich im Mittel in BW (rel. 103,2 %) und auch in der Großraumauswertung (rel. 100,5 %), qualitativ im Mittelfeld. Züchter/Vertrieb: DSP Delly/Natur-Saaten.

© Barbara Orth, LTZ Augustenberg

Späths Albrubin: Zulassung 2022. Roter Dinkel mit Anthocyanfärbung. Etwas kürzer, trotzdem höhere Neigung zu Lager, dieses Jahr in Grötzingen mittlere Lagerneigung. Zeigte sich im Versuch insgesamt sehr gesund, am ehesten von Braunrost betroffen (4,3). Der Ertrag lag bei rel. 96 %, allerdings mit großer Schwankungsbreite. In Ochsenhausen erreichte der Ertrag nur rel. 91,3 %, hingegen wurden in Maßhalderbuch rel. 100,3 % erreicht. Die Qualitäten lagen klar über dem Durchschnitt, zudem wurde der niedrigste Spelzanteil (23,7 %) erreicht. Züchter/Vertrieb: Südwestsaat/Saaten-Union.

Stauferpracht: Zulassung 2022. Kurz, standfest, mittlere Blattgesundheit. Der Kornertrag lag leicht unter dem Durchschnitt mit rel. 98,8 %, wobei in Karlsruhe-Grötzingen (rel. 102,2 %) und Maßhalderbuch (rel. 102,7 %) überdurchschnittliche Erträge erreicht wurden, während der Ertrag an den anderen drei Standorten unterdurchschnittlich war. Die Qualitäten lagen an allen Standorten im oder leicht über dem Durchschnitt. Züchter/Vertrieb: PZO/IG Pflanzenzucht.

Zollernspelz: Zulassung 2006. Kurzer, standfester Dinkel mit hohen Klebergehalten. Einkreuzung von Oberkulmer. Nicht so leicht zu entspelzen. Mittlere Blattgesundheit, geringe Anfälligkeit für Gelbrost. Wie gewohnt hohe Protein- und Feuchtkleberwerte beim niedrigsten TKM von 35,7 g. Ertraglich erreichte die Sorte über fünf Jahre rel. 97,3 %. Züchter/Vertrieb: Südwestdeutsche Saatzucht/Saaten-Union.

Die Beschreibungen basieren auf der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamts 2025, der österreichischen beschreibenden Sortenliste des Bundesamts für Ernährungssicherheit, den Angaben der Züchter und eigenen Beobachtungen.

© Barbara Orth, LTZ Augustenberg
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