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Waldzustandsbericht für Baden-Württemberg

Klimawandel setzt dem Wald massiv zu

Der Klimawandel und seine Folgen hat die Wälder im Land fest im Griff. Dürre und Borkenkäfer hinterlassen ihre Spuren. Inzwischen gelten 43 Prozent der Waldfläche als deutlich geschädigt. Das geht aus dem aktuellen Waldzustandsbericht der baden-württembergischen Landesregierung hervor.
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Auch für Waldbesitzer überraschend: Selbst Baumarten, die seither als weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, wie die Tanne, kommen nach zwei Trockenjahren in Folge an ihre Grenzen.
Auch für Waldbesitzer überraschend: Selbst Baumarten, die seither als weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, wie die Tanne, kommen nach zwei Trockenjahren in Folge an ihre Grenzen. Neub
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Nach der extremen Hitze und Dürre des Vorjahres, die zu einer weitgehenden Austrocknung vieler Waldböden und zu starken Schäden an den Bäumen führte, zeigten sich in diesem Jahr erhebliche Schäden in den Wäldern. Die mittlere Kronenverlichtung der Wälder Baden-Württembergs stieg mit 27,5 Prozent auf den bisherigen Höchststand der gesamten Aufnahmeperiode seit 1985. Gegenüber der bereits im Vorjahr angestiegenen Kronenverlichtung bedeutet dies eine weitere Erhöhung um 2,6 Prozentpunkte. Insgesamt gelten damit aktuell 43 Prozent der Waldfläche im Land als deutlich geschädigt“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am 28. Oktober anlässlich der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2019 in Stuttgart.

Auch Fichte und Eiche zunehmend betroffen

„Auch Baumarten, die seither als weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, wie die Tanne, kommen nach zwei Trockenjahren in Folge an ihre Grenzen. Selbst die Eiche und auch die bei uns weit verbreitete Buche zeigen deutliche Schäden und verursachen mit absterbenden Ästen und Kornenteilen eine große Gefahr für Waldbesucher und Waldarbeiter“, erklärte der Forstminister. Einst seltene und unbeachtete Schädlinge profitieren vom steigenden Brutangebot und vermehren sich stark. Das Eschentriebsterben, die Ahorn-Rußrindenkrankheit, die Eichenfraßgesellschaft und die Kiefernkomplexkrankheit seien Problemfelder, die laut Waldzustandsbericht in der Ausbreitung begriffen seien.

Baden-Württemberg setzt laut Hauk seit Langem auf standortangepasste und naturnah bewirtschaftete Mischwälder, die in Zeiten ungewisser Klimaentwicklungen ideal sind. Diesen Weg werde das Land weiter aktiv gestalten.

Notfallplan und Waldstrategie 2050

Die Wälder Baden-Württembergs erfüllen vielfältige Funktionen, etwa als CO2-Speicher, Luftfilter, Produzent von Sauerstoff, Regulator des Wasserhaushalts und Schutz der Böden vor Erosion. Zusätzlich ist der Wald Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten und letztlich auch Arbeitsplatz für viele Menschen, erklärte der Forstminister. Ziel der Gesellschaft müsse es sein, diesen einzigartigen Lebensraum in seiner Gänze zu erhalten.

„Wir müssen schnell, wohlüberlegt und entschlossen handeln, um die Erhaltung des Waldes sicherzustellen. Unser Notfallplan für den Wald in Baden-Württemberg hilft den betroffenen Waldbesitzern beim Wiederaufbau ihrer geschädigten Wälder mit den richtigen Baumarten“, betonte Minister Hauk. Der Notfallplan enthalte kurzfristige Maßnahmen. Er enthalte neben einer Ausweitung der Förderung auch die Stärkung des forstlichen Personalkörpers und insbesondere auch Finanzmittel für die Aufarbeitung der Schäden. Mit dem Notfallplan wird die Klimafolgenforschung aufgebaut, gesetzliche Hürden werden abgebaut und auch die Kommunikation sowie die Beratung der Waldbesitzer gestärkt.

„In den kommenden Wochen werden wir die Waldstrategie 2050 erarbeiten. Sie soll ein Masterplan sein, mit dem die längerfristig notwendigen Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden sollen. Die Erarbeitung der Inhalte wird unter intensiver Einbindung aller Waldverbände erfolgen“, kündigte Hauk an.

Forstkammer: Notfallplan Wald schnell umsetzen

„Der  Waldzustandsbericht bestätigt das, was wir seit Monaten draußen erleben: unseren Wäldern geht es richtig schlecht“, sagte Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg heute anlässlich der Veröffentlichung des Waldzustandsberichtes 2019. „Alle Wälder, egal ob in Rein- oder Mischbeständen, leiden unter den dramatischen Klimaveränderungen. Nur noch 25 Prozent der Bäume sind gesund. Bei fast allen Baumarten erreichen die Schäden historische Spitzenwerte.“

Vor diesem Hintergrund fordert die Forstkammer eine Beschleunigung bei den Hilfen für die betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. „Von dem Anfang September vorgestellten Notfallplan Wald von Minister Hauk ist bislang noch nichts bei den Waldbesitzenden angekommen“, stellt der Forstkammer-Geschäftsführer fest. „Die Frustration bei den Betroffenen nimmt zu.“ Der Plan enthalte viele dringend benötigte Maßnahmen und es sei ein wichtiges Signal, dass die Landesregierung die benötigten Gelder bereitstellen will. Vertreter aller Landtagsfraktionen haben den Waldbesitzern Unterstützung zugesagt. „Den Worten müssen jetzt aber endlich Taten folgen“, fordert der Forstkammer-Vertreter.

Hierbei gehe es vor allem um die für 2019 angekündigten Beilhilfen für Aufarbeitung und Entrindung von Schadholz. „Damit die Waldbesitzer, die in diesem Jahr mit viel Einsatz die Ausbreitung der Borkenkäfer verhindert haben, nicht benachteiligt werden, muss die Förderung auch rückwirkend ausgezahlt werden“, fordert Hilt. Auch die Unterstützung von Waldbesitzergemeinschaften, die laut Notfallplan ebenfalls noch im Jahr 2019 kommen soll, müsse jetzt umgesetzt werden. Ganz dringend ist aus Sicht der Forstkammer außerdem die Unterstützung der Waldeigentümer bei der aufwendigen und gefährlichen Beseitigung von abgestorbenen Bäumen an öffentlichen Straßen. Denn durch Frost und Schnee könnte sich das Risiko herabstürzender Äste im Winter noch erhöhen.Andere Bundesländer wie Bayern und Hessen seien schon längst in der Umsetzung der Fördermaßnahmen. Nicht nur auf der Fläche werde zusätzliches Forstpersonal benötigt. Auch die Verwaltungszentralen müssten gestärkt werden, um eine wirksame Förderpolitik zu gewährleisten.

Klimaschäden nicht hausgemacht

„In Baden-Württemberg wird seit 40 Jahren großflächig naturnah gewirtschaftet“, erläutert der Geschäftsführer. Reinbestände gebe es inzwischen nur noch auf rund 10 Prozent der Waldfläche. 90 Prozent der Wälder verjüngen sich natürlich aus den Samen der Altbäume. „Trotzdem haben wir nun ein solches Ausmaß an Schäden. Die Probleme sind nicht hausgemacht. Der schnelle Klimawandel überfordert ganz einfach die Selbstheilungskräfte der Natur“, so Hilt. Es sei daher die wichtige Aufgabe und Herausforderung für Waldbesitzer und Förster, in dieser schwierigen Situation die Wälder mit all ihren Funktionen zu erhalten und für die Zukunft klimafit zu machen. „Für diese Herkulesaufgabe benötigen die Waldpfleger Rückendeckung und Unterstützung aus Gesellschaft und Politik.“

Angemessene Personalausstattung notwendig

Die Arbeitsgemeinschaft Wald und der Bund deutscher Forstleute teilen die Analyse des Ministers zum Waldzustand. „Der Klimawandel hat unsere Wälder fest im Griff. Es droht die Gefahr, dass sie ihre Schutzfunktion als wirksamster Kohlenstoffspeicherort verlieren. Dies hat weitere dramatische Folgen für unser Klima und damit für die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Diese Spirale muss unbedingt getoppt werden“, so Dietmar Hellmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wald und des Berufsverbandes der Forstleute BDF. „Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, alle Anstrengungen  zu unternehmen, die Wälder klimafit umzubauen und ihren Erhalt zu sichern,“ Hellmann weiter.  Die Nagelprobe hierfür wird der neue Doppelhaushalt 2020/21 sein. Es sei absolut zu begrüßen, dass der Bund nun nahezu 500 Millionen Euro Fördergelder für alle Bundesländer bereitstellt und das Land seinen Anteil hieran tragen wolle, es  müssten aber auch neue Forstleute für die Beratung und die Betreuung der Waldbesitzer und neue Waldarbeiter zur Beseitigung der Schäden und zur Wiederbewaldung eingestellt werden. „Die Jahrzehnte langen Forderungen des BDF nach angemessener Personalausstattung wurden immer wieder vom Tisch gefegt, obwohl die Entwicklung des Klimas seit den frühen neunziger Jahren bekannt ist. Das muss jetzt ein Ende haben!“.

Die Wälder im Lande haben nicht nur die Funktion Gewinne zu erwirtschaften, ihre Klimaschutzfunktion ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung absolut prioritär zu sehen. Dies schließt natürlich die Nutzung des Rohstoffes Holz ein. Forderungen nach ideologisch begründeten Waldstilllegungen werden abgelehnt, da sie dem Klimaschutz zuwider laufen „Es ist unfassbar, dass das Finanzministerium trotz der dramatischen Schadenssituation auf der Ablieferung eines Überschusses aus dem Staatswald besteht und deshalb an die Reserven des staatlichen Forstbetriebs geht“. Dieses Geld würde dringend zur Weiterentwicklung der Wälder benötigt. “Wir wären mit dem Waldumbau schon längst weiter, wenn uns in den letzen 30 Jahren nicht 50 Prozent aller Stellen gestrichen und die Klimafolgenforschung im Wald auf Sparflamme gehalten worden wären“, kritisiert Hellmann und fordert eine Kehrtwende in der Forstpolitik der Landesregierung, „denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Sicherung unser aller Lebensgrundlagen“.

Den ausführlichen Waldzustansbericht finden Sie hier

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