Regionalpakt für Schweinehalter verabredet
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Die Ferkelerzeuger und Schweinemäster stehen mit dem Rücken zur Wand und benötigen dringend Unterstützung, um die regionale Produktion weiter aufrecht erhalten zu können, teilt der Schlacht- und Zerlegebetrieb Müller-Gruppe aus Birkenfeld im Enzkreis mit. Die Teilnehmer verabredeten geeignete Maßnahmen, um den süddeutschen Landwirten in der schwierigen Marktsituation zu helfen. Bei den Ferkelerzeugern soll kurzfristig mehr Geld ankommen, hieß es in der Mitteilung.
Zu der Videokonferenz hatten die Geschäftsführer Stefan und Martin Müller den Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Walter Heidl, sowie Klaus Mugele, Vizepräsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg e.V, Hans-Benno Wichert, Präsident des Schweinezuchtverbandes Baden-Württemberg (SZV) und Rolf Michelberger, Geschäftsführer der zur Müller-Gruppe gehörenden Firma Ulmer Fleisch, eingeladen.
Müller will Regionalzuschläge erhöhen
Nach vielen Vorgesprächen mit den Partnern der Wertschöpfungskette zur aktuellen Marktlage bildet der Vorstoß der Müller-Gruppe nach eigenen Angaben den Kern des Regionalpakts: „Die von uns bereits seit Jahren gewährten Regionalzuschläge zur Förderung der heimischen Produktion werden wir mit Blick auf die derzeitige Situation kurzfristig deutlich erhöhen“, sagt Stefan Müller. Bisher habe die Müller Gruppe in dieses Programm jährlich mehrere Millionen Euro investiert, um die regionale Erzeugung von Schweinefleisch zu stärken.
Zuschläge sollen Ferkelerzeuger erreichen
"Wichtig ist uns jetzt, dass unsere Zuschläge auch bei den Ferkelerzeugern ankommen“, ergänzt Martin Müller. Corona-Pandemie und Afrikanische Schweinepest (ASP) haben in den vergangenen Monaten die Landwirtschaft und weitere Bereiche der Ernährungsbranche belastet. Viele Vermarktungswege in Europa seien zum Erliegen gekommen. Durch die zeitweise Schließung der Gastronomie, dem damit einhergehenden Preisverfall und weiteren Auswirkungen des aktuellen Teil-Lockdowns sei die Branche massiv unter Druck geraten.
„Wir brauchen jetzt das Bekenntnis vom Handel zur regionalen Schweinehaltung, um die Vermarktung der heimisch erzeugten Produkte sicherzustellen“, fordert Klaus Muggele. Die Initiatoren und die Bauernvertreter wollen sich schon in Kürze mit dem Top-Management des Handels austauschen, um diesen und damit auch die Verbraucher in die Verantwortung der Wertschöpfungskette einzubinden. Denn allen sei klar: „Ohne Mitwirkung des Handels kann die schwierige Lage nicht verbessert werden“, betont Hans-Benno Wichert.
Kurzfristig Ergebnisse notwendig
Alle Fachleute stimmten überein, dass der Druck auf den süddeutschen Schweinemarkt sehr stark gestiegen sei. Themen wie die coronabedingten Reisebeschränkungen, Quarantäneregelungen, zusätzliche Arbeitszeitbeschränkungen und der „Schweinstau“ belasteten den Markt insgesamt. Die Teilnehmer vereinbarten, kurzfristig weitere Gesprächsrunden einzuberufen. Man will in enger Abstimmung mit Erzeugern, Mästern, Verarbeitern, Verbänden, Handel und Politik zeitnah konkrete Ergebnisse erzielen, um mehr Sicherheit und Ruhe in die süddeutsche Schweinefleischproduktion zu bringen.
Neben der aktuellen Preiskrise sollen auch Herausforderungen wie Haltungskriterien in den Blick genommen werden. Darauf legt Walter Heidl besonderen Wert. „Die Bauernfamilien, die hinter der Sicherung unserer heimischen Schweinefleischproduktion stehen, brauchen nun dringend Unterstützung“, so der Bayerische Bauernpräsident. Für die Müller-Gruppe steht fest, dass ohne eine gesunde süddeutsche Landwirtschaft die gesamte Wertschöpfungskette nicht funktioniert.
Konzepte für den Rindfleischmarkt
Neben dem Schweinemarkt wurde auch der Rinderbereich in den Blick genommen. Durch den gravierenden Preisverfall bei Kuhfleisch stünden die Milchkuhhalter mächtig unter Druck. Die Ausgangslage der Rinderhaltung in Süddeutschland sei durch die hier weit verbreitete Zweinutzungsrasse Simmentaler Fleckvieh deutlich besser als in anderen Regionen Deutschlands. Außerdem haben hier viele Betriebe auf die GVO-freie Fütterung umgestellt, was die Müller-Gruppe nach eigenen Angaben seit Jahren mit Zuzahlungen honoriere. Zur Stabilisierung der Rinderhaltung in Süddeutschland sollen Gespräche gemeinsam mit den Molkereien geführt werden. Sinn dieser Gespräche soll auch hier die nachhaltige Förderung einer zukunftsorientierten Haltung und Vermarktung sein.
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