Käserei Leupolz legt solides Ergebnis vor
Mit Hygienekonzept und einer ausgedünnten Besucherzahl konnte die Allgäuer Emmentalerkäserei Leupolz eG am 9. September ihre Generalversammlung abhalten. Das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 ist solide. Mit den Bauarbeiten für den Neubau geht es weiter voran. Mitte kommenden Jahres sollen die ersten Käselaibe serienmäßig in der neuen Halle produziert werden.
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„Die Ertragssituation in unserer Käserei war angesichts der Marktentwicklung gut“, berichtete der Vorstandsvorsitzende Markus Stützenberger. Die Käsepreise konnten im Jahresdurchschnitt 2020 auf einem stabilen Niveau gehalten werden, trotz starker Mengenschwankungen. Am Käsespezialitäten-Markt allerdings wurden keine Preiserhöhungen erreicht. Der Jahresüberschuss 2020 betrug 363.000 Euro (Vorjahr: 375.000 Euro). Im Jahresbericht sind 5,6 Mio. Euro als Eigenkapital ausgewiesen. Das sind 60,7 Prozent der Bilanzsumme. Im Jahr 2020 lieferten 139 Milcherzeuger ihre Milch nach Leupolz, das waren 23 weniger als 2019, dabei lag die rechnerische Anlieferungsmenge pro Landwirt lag bei 332.093 kg.
Knapp 5 Prozent weniger Umsatz
Aufgrund einer um 2,1 Prozent geringeren Milchanlieferung, den höheren Beständen und rückläufigen Preise im Fett- und Molkebereich ging der Jahresumsatz 2020 um 1,1 Mio. Euro oder 4,7 Prozent zurück und lag bei 22,4 Mio. Euro, berichtete Geschäftsführer Michael Welte. Die Käseproduktion im Jahr 2020 betrug 3846 t. Das waren sechs Tonnen mehr als im Vorjahr. Die Produktion von Butter war trotz einer größeren Markenproduktion wegen des Rückganges der Werklohnproduktion und der geringeren Produktion von Weiterverarbeitungsprodukten um 97 Tonnen niedriger als im Vorjahr und lag bei 388 Tonnen. Der Auszahlungspreis für konventionelle Milch der Käserei Leupolz im Durchschnitt aller Qualitäten bei 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß beläuft sich auf brutto 37,32 Ct/kg. Bei Bio-Milch mit 4,20 Prozent Fett und 3,40 Prozent Eiweiß wurden brutto 54,03 Ct/kg ausbezahlt. Der Anteil der Biomilch an der gesamten Anlieferungsmilch in Höhe von 46,2 Mio. kg betrug 27,5 Prozent (Vorjahr: 27,7 Prozent).
Hoffnung auf Preiserhöhungen im Herbst
Im laufenden Jahr ist die Absatzsituation gut, in den letzten Wochen sogar sehr gut. Die Käsebestände bewegen sich auf einem niedrigen Niveau, so Welte. Allerdings seien die Emmentalerpreise im Vergleich zu anderen Produkten bisher noch nicht im gleichen Maße gestiegen. Welte hofft auf Preiserhöhungen in den nächsten Wochen, um eine zufriedenstellende Erlössituation zu erreichen. Im ersten Halbjahr 2021 lagen die Absatzmengen der Leupolzer Spezialitäten aufgrund des Corona bedingten Rückgangs beim Käsethekenverkauf unter dem Niveau des Vorjahres. Die Anlieferungsmenge ist durch Betriebsaufgaben und einer insgesamt schwachen Anlieferung im ersten Halbjahr 2021 um fünf Prozent gesunken. Mittlerweile hat sich die Situation allerdings wieder deutlich erholt. Der Markt für die Bioprodukte der Käserei sei gut. Nach einem Absatzsprung der Verkaufsmengen vom März 2020 bis Anfang dieses Jahres habe sich die Lage in den vergangenen Monaten wieder normalisiert. Die Rohstoffknappheit bei Demeter-Heumilch und der Naturland- und Bioland-Heumilch habe sich etwas beruhigt, aber die Lager seien ordentlich geleert. Bei Biobutter war erstmals seit Jahren genügend Ware zur Verfügung. „Insgesamt können wir Milch in allen Qualitäten neu aufnehmen“, so Welte.
Gute Einwicklung bei der ÖMA Beer GmbH
Der Umsatz der ÖMA war im vergangenen Jahr 2020 mit 41,5 Mio. Euro, um 5,6 Mio. Euro höher als im Vorjahr. Das Jahresergebnis lag etwas über dem Vorjahr. Im laufenden Jahr haben sich die Absatzmengen normalisiert. Bis zur Jahresmitte 2021 liegt der Umsatz auf Vorjahresniveau, allerdings wurde eine Eigenmarkenproduktion abgegeben. Um diese bereinigt beträgt das Wachstum 3,8 Prozent. Das Preisniveau im Biofachhandel habe sich bislang noch nicht erhöht. Erst vor kurzem konnten Forderungen von Molkereiseite aus, die seit Anfang des Jahres gestellt wurden, umgesetzt werden. Ergebnisse aus der Nachhaltigkeitsumfrage, die die ÖMA-Beer GmbH zusammen mit der Allgäu- Milch-Käse eG und Allgäuer Emmentalerkäserei Leupolz durchgeführt hat, sollen in den nächsten Monaten vorgestellt werden. „Damit wollen wir besser und belegbarer darstellen, was Sie liebe Landwirte heute schon alles leisten“, so Welte.
Auflagen steigen weiter
Nachhaltigkeit und Tierwohl beschäftigen die Milchbranche stärker denn je. „Auch bei uns sind einige Anfragen von Kunden, Verarbeiter und Verbraucher diesbezüglich eingegangen“, meinte Stützenberger und betonte, dass die Anforderungen an die Milch und an die Produkte weiter zunehmen. Für die Erzeuger, die ohnehin mit gewaltigen Teuerungen und Produktionsauflagen zu kämpfen haben, sei das eine harte Nuss. Ebenso für die Molkerei. Allein im vergangenen Jahr wurden zwölf externe Audits durchgeführt, was für das Unternehmen einen enormen Arbeitsaufwand bedeutet hat. Positiv ist: Bei der diesjährigen DLG-Qualitätsprüfung hat die Käserei einmal mehr wieder eine Goldmedaille erhalten.
Mit den Bauarbeiten im Zeitplan
Mit dem Bau der neuen 800 Quadratmeter großen Halle, die direkt an die bestehende Molkerei anschließt, liege man im Zeitplan, berichtete Michael Welte. Auch wenn bei dem Bauvorhaben mit einer Gesamtinvestitionssumme über 9,3 Mio. Euro nicht alles immer reibungslos lief: Unter anderen mussten die Fundamente zunächst gesichert und Gutachten eingeholt werden. Mittlerweile sind sie gelegt, die Wände aufgestellt, die Decke eingezogen und die Bodenplatte gelegt – trotz Verzögerungen durch Starkregen, der die Baugrube zeitweise volllaufen ließ. In den kommenden Wochen sollen die Maschinen und Anlagen aufgestellt werden, darunter drei Käsefertiger mit je 25.000 Liter Fassungsvermögen sowie die Käsepresse für die Rundlaibe. Die alte Rundlaibpresse wird generalüberholt und weiter eingesetzt. Ab Mitte kommenden Jahres will man in Leupolz mit der Serienproduktion der Rundlaibe beginnen.
Hochwasser am 8. Juni - Glück im Unglück
Hart getroffen wurden die Milcherzeuger am 8. Juni, als ihre Molkerei abends gegen 23 Uhr von einem Hochwasser heimgesucht wurde, mit 80 cm Wasser im Keller, Stromausfall und Schäden an den Maschinen und Gebäuden in Höhe von insgesamt 135.000 Euro. Dank einer großen, solidarischen Hilfsaktion, für die sich Michael Welte ausdrücklich bei allen Helfern und Partnerunternehmen bedankte - allein fünf Elektrofirmen waren bei den Aufräumarbeiten im Einsatz - konnte die Produktion am dritten Tag wieder hochgefahren werden. Glück im Unglück war, dass das Hochwasser noch am Abend rechtzeitig bemerkt wurde, sonst wäre der Schaden wohl ungleich größer gewesen, schätzt Welte.
Bei Hemmstofftests wird nach Lösungen gesucht
Noch etwas holprig läuft es mit der Durchführung der neuen Hemmstofftests, die mit In-Kraft-Treten der neue Rohmilchgüterverordnung seit dem 1. Juli eingesetzt werden. Für die neuen Tests brauche es mehr Zeit und Übung, erläuterte Dr. Markus Albrecht, Geschäftsführer beim Milchprüfring in der Diskussion. Der Milchprüfring mit seinem Zentrallabor in Kirchheim/Teck und sechs Außenstellen im Land übernehme diese Untersuchungen im Auftrag der Molkereien, die wie Leupolz kein eigenes Labor mehr vorhalten können. Betroffen davon seien rund die Hälfte der Molkereien im Land. Die Crux ist, dass die Labors des Milchprüfrings an den Wochenenden aus Kostengründen nicht besetzt seien, sodass die Ergebnisse solcher Sonderproben vom Freitagabend oder vom Samstag erst zu spät wieder bei den Landwirten ankommen. Dies sei in der Tat ein Problem, räumte Albrecht ein. Er empfiehlt, sich schulen zu lassen, um Tests selbst durchführen zu können. Den Hoftest gebe es in zwei Varianten, sowohl für die Einzelkuh als auch für den Sammelwagen. Die Nachweisempfindlichkeiten seien unterschiedlich. Die auf den Betrieben durchgeführten Tests dienten lediglich dazu, das Risiko, hemmstoffbelastete Milch abzuliefern, zu minimieren. Absolute Sicherheit gebe es hier keine. Die neuen Tests seien laut Dr. Albrecht sensibler als die bisherigen Verfahren. Sie reagieren auf Cephalosporine besonders scharf. Ein Antibiotikum, das zuletzt deutlich weniger verschrieben wurde. Im Gegenzug dazu würden vermehrt Tetrazykline in den Proben entdeckt. In der Molkerei in Leupolz ist man dabei, praktikable Lösungen für die Milchuntersuchungen zu finden. „Wir müssen schauen, wie wir das hinbekommen," so Stützenberger.
Wahlen in die Gremien
Bei den turnusmäßigen Wahlen in den Vorstand wurde Florian Kathan einstimmig wiedergewählt. Ausgeschieden ist Wolfgang Fässler, nach 29 Dienstjahren und auf eigenen Wunsch. Für ihn wählte die Versammlung Adrian Diem als Nachfolger. Im Aufsichtsrat wurde der stellvertretende Vorsitzende, Bernd Nunnenmacher, einstimmig wiedergewählt. Neu in den Aufsichtsrat rücken Mario Reck für Andreas Schuler nach, der neun Jahre im Amt war sowie Wendelin Weber für Joachim Bertsch, der 27 Jahre in dem Gremium für die Molkerei tätig war.
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