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Joachim Rukwied im Interview

Wie jetzt die Zukunft der Bauernhöfe im Südwesten zu sichern ist

Im September 2020 fanden unter deutscher Ratspräsidentschaft das informelle Treffen der EU-Agrarminister in Koblenz sowie die Agrarministerkonferenz (AMK) des Bundes und der Länder im saarländischen Weiskirchen statt. Welche Themen jetzt besonders aktuell sind und welche Baustellen abgearbeitet werden sollten, erläutert Präsident Joachim Rukwied im Interview mit BWagrar.
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Joachim Rukwied, Landwirt aus Eberstadt (Landkreis Heilbronn), ist Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) und des Deutschen Bauernverbands (DBV).
Joachim Rukwied, Landwirt aus Eberstadt (Landkreis Heilbronn), ist Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) und des Deutschen Bauernverbands (DBV). Krehl/BWagrar
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Joachim Rukwied im Interview mit BWagrar

Wie ist jetzt die Zukunft der Bauernhöfe im Südwesten zu sichern?

Joachim Rukwied, Landwirt aus Eberstadt (Landkreis Heilbronn), ist Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) und des Deutschen Bauernverbands (DBV). Im September 2020 fanden unter deutscher Ratspräsidentschaft das informelle Treffen der EU-Agrarminister in Koblenz sowie die Agrarministerkonferenz (AMK) des Bundes und der Länder im saarländischen Weiskirchen statt. Welche Themen jetzt besonders aktuell sind und welche Baustellen abgearbeitet werden sollten, erläutert Rukwied im Interview mit BWagrar.


BWagrar: Herr Rukwied, die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ist auch nach den jüngsten Treffe der EU-Agrarminister noch nicht verabschiedet. Neue Herausforderungen kommen auf die landwirtschaftlichen Betriebe beispielsweise im Pflanzenbau und in der Haltung von Nutztieren zu. Haben die Familienbetriebe in Baden-Württemberg noch eine Zukunft?

Rukwied: Ja! Unsere familiengeführten landwirtschaftlichen Betriebe haben eine Zukunft! Wir sind vielfältig aufgestellt und haben einen kaufkräftigen Markt vor der Haustür. Produkte aus der Region sind zunehmend gefragt.

„Höhere Standards
müssen sich letztendlich auch
in höheren Erzeugerpreisen
niederschlagen.“

Aber die immer höheren Auflagen – gleichgültig, ob diese aus der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU oder nationalen Gesetzen resultieren – belasten zunehmend unsere Betriebe. Höhere Standards müssen sich letztendlich auch in höheren Erzeugerpreisen niederschlagen. Außerdem müssen zusätzliche Umweltleistungen angemessen honoriert werden. Nur mit Schlagworten wie „Gute Lebensmittel zu fairen Preisen“ lassen sich unsere Herausforderungen im Wettbewerb und bei den Einkommen nicht lösen.

Perspektiven für die junge Generation wird es jedoch nur dann geben, wenn sowohl die Politik als auch die Gesellschaft anerkennen, dass nur eine ökonomisch erfolgreiche Landwirtschaft die gewünschten Leistungen erbringen kann. Hierfür notwendig sind unter anderem unternehmerische Freiräume und Planungssicherheit.

BWagrar: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat die Erzeugerpreise abstürzen lassen. Die Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung, das Bau- und Immissionsschutzrecht und andere Vorschriften erfordern hohe Investitionen in die Nutztierhaltung? Hat die Nutztierhaltung in Baden-Württemberg noch Perspektiven?

Rukwied: Bei der Afrikanischen Schweinepest ist weiterhin schnelles und entschiedenes Handeln notwendig. Die rasche Seucheneindämmung ist Gebot der Stunde. Dazu gehören die konsequente Bejagung von Schwarzwild und stabile Einzäunungen in den betroffenen Gebieten und an der Grenze zu Polen.

„Handel und Verarbeiter
dürfen die Afrikanische Schweinepest
nicht zu Lasten unserer Betriebe
ausnützen.“

Des Weiteren müssen die Verhandlungen über eine Regionalisierung, insbesondere auch mit China, weiter konsequent vorangetrieben werden. Und last but not least dürfen Handel und Verarbeiter die Krise nicht zu Lasten unserer Betriebe ausnützen.

Sie sprechen die Perspektiven der Nutztierhaltung an. Ja, die Nutztierhaltung hat auch bei uns in Baden-Württemberg Zukunftsperspektiven. Damit das so ist, brauchen wir allerdings eine nationale Nutztierstrategie, welche den Konsens zwischen den Ansprüchen der Verbraucher und den Realitäten an den Märkten zum Ziel hat.

Eine noch umweltfreundlichere und tierartgerechtere Nutztierhaltung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Vorschläge der Borchert-Kommission sehe ich als einen gangbaren Weg an, auch unseren Betrieben im Südwesten eine Perspektive zu eröffnen.

BWagrar: Im Pflanzenbau werden Schutz und Ernährung der Nutzpflanzen immer herausfordernder. Neue Verbote und zusätzliche Auflagen erfordern neue Bewirtschaftungsstrategien und ebenso neue, innovative Betriebsorganisationen. Wie sehen Sie die aktuelle Situation und welche Forderungen erhebt der Bauernverband?

Rukwied: Wir wollen den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln weiter optimieren. Entscheidend hierbei ist aber, dass wir auch zukünftig unsere Kulturpflanzen vor Krankheiten und Schädlingen schützen können, um Qualitäten und Erträge abzusichern.

Den in Baden-Württemberg eingeschlagenen Weg gehen wir mit. Wichtig ist hierbei der Aufbau von Testbetriebsnetzen mit wissenschaftlicher Begleitung. Das Aktionsprogramm Insektenschutz hingegen ist ein Vorschlag aus der Mottenkiste und würde viele Betriebe in ihrer Existenz gefährden. Nur kooperativer Naturschutz ist zielführend.

„Wichtig ist der Aufbau
von Testbetriebsnetzen
mit wissenschaftlicher
Begleitung.“

Der Bauernverband hat mit Partnerverbänden in einer gemeinsamen Ackerbaustrategie  bereits aktiv Vorschläge unterbreitet, wie wir noch effizienter und umweltfreundlicher wirtschaften können.

Zur effizienten und umweltschonenden Bewirtschaftung zählen für mich als Landwirt zum Beispiel die stärkere Nutzung von digital gesteuerter Technik. Zudem gehören moderne Züchtungsmethoden mit neuen molekularbiologischen Techniken dazu, wie die CRISPR/Cas-Methode, das "Genome Editing".

 

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